Die Leser-Uni am Dienstagabend – gemeinsam veranstaltet von “bild der wissenschaft” und der “Stuttgarter Zeitung” – schlug den Bogen von der intuitiven Physik, die schon Babys begreifen, zur modernen Physik, die trotz aller Erläuterungen der Wissenschaftler nicht leicht zu verstehen ist.
Was denken sich die Kleinen?
Die Psychologin Sabina Pauen von der Universität Heidelberg erläuterte, wie sie in ihrem Labor in die Köpfe von Babys schaut. Sie will herausfinden, was ihre jungen Versuchsteilnehmer denken – noch bevor sie sprechen können. Auf ein Experiment kam sie in einem Spielwarenladen, erzählte Pauen. Sie sah dort einen batteriebetriebenen Ball, der sich erratisch bewegt und ein Stofftier mitschleift, das dadurch lebendig wirkt. Im Labor konnte Pauen messen, dass ihre sieben Monate alten Versuchsteilnehmer zunächst Ball und Tier gleichermaßen aufmerksam betrachten. Nachdem sie Ball und Tier in Aktion gesehen haben, interessieren sie sich jedoch stärker für das Tier – vermutlich, weil sie erwarten, dass die Bewegungen vom Tier ausgehen. Schon im Alter von wenigen Monaten scheinen Kinder Lebewesen von leblosen Dingen unterscheiden zu können.
Ein anderer Weg, das Denken der Kinder zu erforschen, liegt in der Langeweile. Wenn man Kinder immer wieder mit denselben Dingen konfrontiert, stumpfen sie sichtlich ab. Man gibt ihnen zum Beispiel eine Reihe von Spielzeugmöbeln in die Hand: einen Stuhl, ein Bett, einen Hocker, einen Tisch, einen Schrank … Erst erkunden die Kinder die Dinge genau, später legen sie sie schnell zur Seite. “Manchmal fliegen uns die Spielsachen auch um den Kopf”, berichtete Pauen. Irgendwann bekommen die Kinder ein andersartiges Spielzeug in die Hand – beispielsweise eine kleine Schildkröte. Erkennen sie, dass es sich um eine neue Kategorie handelt? Sabina Pauen zeigt das Video eines Jungen, der die Schildkröte sofort untersucht und in den Mund steckt. Er hat offenbar begriffen, dass es sich nicht um ein weiteres langweiliges Möbelstück handelt.
Manches scheinen die Kinder schon von Geburt an zu wissen, alles Weitere lernen sie bald, berichtete Pauen. Sie rät Eltern, auf den natürlichen Entdeckergeist ihrer Kleinen zu setzen. Es müssten keine ausgefeilten Spielzeuge sein, denn schon eine Küche biete viele Anregungen. Am besten nehme man sich Zeit für die Kinder und achte darauf, wofür sie sich interessieren – so die Empfehlung der Psychologin. ( Hier geht es zu unserem Dossier über Forschung mit Kleinkindern. )
Was wissen wir über die kleinsten Teilchen?
Von Familien sprach auch Rolf-Dieter Heuer, Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und davor Generaldirektor des Forschungszentrums Cern. In seine Amtszeit fiel 2012 der Nachweis des lange gesuchten Higgs-Teilchens. Doch Heuer bleibt auch knapp fünf Jahre nach der Entdeckung vorsichtig: Man habe sicher ein Higgs-Teilchen gefunden, sagte er bei der Leser-Uni – nur welches? Es könne auch Geschwister haben, die zwar zu einer Familie gehören, aber sich doch unterscheiden.





