Wissensbuch des Jahres 2025 in der Kategorie Ästhetik
Was das Elektronenmikroskop zu Tage fördert, überrascht selbst gut informierte Naturfreunde. Wer kennt schon die bohnenförmige Schattenamöbe, deren Maul an einen Flaschenöffner erinnert oder den Buckingham-Schleimpilz? Seine pelzigen Hütchen sehen aus wie die Bärenfellmützen der Londoner Palastwache.
Unzählige Kleinstlebewesen im Boden erledigen zuverlässig das Recycling unzähliger Naturstoffe. Ohne sie wäre das Leben an der Oberfläche unmöglich. In einem Kubikmeter Gartenboden wirken Millionen Schleimpilze, Algen und Fadenwürmer, sowie Tausende Springschwänze, Weißwürmer, Milben und Rädertierchen. Was wir mit bloßem Auge sehen, sind lediglich einige Dutzend Riesen unter den Bodenbewohnern, wie Regenwürmer, Asseln oder Schnecken.
Ein kompetentes Viererteam hat mit „Drecksarbeit“ ein überzeugendes Gesamtkunstwerk geschaffen, das auf jeder Seite Neues bietet. Das Buch verzichtet auf einen repräsentativen Einband und setzt ganz auf die Kraft der großformatigen Bilder. Die kurz gefassten und dennoch sehr informativen Texte stellen sich in den Dienst der Fotografien. Sie liefern kompaktes und manchmal kurioses Wissen. Ein rundum gelungener Bildband, der immer wieder zum Blättern einlädt. Viel zu schade, um im Bücherschrank zu versauern.
Michael Lange
Nicole Ottawa, Oliver Meckes, Veronika Straaß, Claus-Peter Lieckfeld
Drecksarbeit
Der Mikrokosmos unter unseren Füßen
Dölling und Galitz Verlag, 144 S., € 30,–
ISBN 978-3-86218-172-8




