Nach dem Skandal um das Cholesterin senkende Medikament Lipobay steht die Pharmaindustrie weiter unter Druck. 13 führende medizinische Fachzeitschriften – darunter The Lancet, das British Medical Journal und das Journal of the American Medical Association – haben jetzt schwere Vorwürfe gegen die Unternehmen erhoben. Dabei geht es um klinische Studien zu neuen Medikamenten, die den Zeitschriften zur Veröffentlichung angeboten wurden. Besonders pikant: Die Arbeiten wurden von den jeweiligen Pharmaunternehmen finanziert. In vielen Fällen, so die Fachpublikationen, sei der Nutzen neuer Präparate hochgespielt, ihre Nebenwirkungen aber verschwiegen worden. Die Hälfte der wissenschaftlichen Arbeiten habe man aus diesem Grund abweisen müssen. Der Herausgeber von The Lancet, Richard Horton stellte verärgert fest: „Wir haben einige Beispiele, wo das finanzielle Interesse vor dem Wohl der Patienten stand.” Deshalb haben sich die Zeitschriften in einer gemeinsamen Erklärung darauf geeinigt, strengere Maßstäbe an die Veröffentlichung von Artikeln zu legen. In Zukunft wollen sie keine Studien mehr drucken, deren Ergebnis vom Sponsor beeinflusst wurde. Zum Schutz der Patienten werde man nur noch Arbeiten veröffentlichen, deren Unabhängigkeit eindeutig bewiesen sei.




