Sinnesreize können vom Gehirn auf ähnliche Weise aufgenommen und verarbeitet werden wie Rundfunkwellen von einem UKW-Empfänger, fanden Forscher des Weizmann-Instituts im israelischen Rehovot heraus.
Die Wissenschaftler um den Neurobiologen Prof. Ehud Ahissar untersuchten die Gehirntätigkeit bei Ratten, während diese mit den Barthaaren ihre Umgebung ertasteten. Das Resultat: Einige Neuronen des für die Sinneswahrnehmung zuständigen Gehirnbereichs oszillierten ständig mit einer Frequenz von etwa acht Hertz. Die Frequenz änderte sich, wenn die Tiere mit ihren Barthaaren einen Gegenstand berührten.
Ahissar vergleicht das mit der Funktion eines Radios. Die Gehirnzellen sind auf eine feste “Trägerfrequenz” abgestimmt. Wie die Musik oder Sprache bei einer UKW-Übertragung, wird auch die Information über das ertastete Objekt durch eine Frequenzmodulation übermittelt: Die zeitliche Abfolge, mit der Nervenzellen in den Haarspitzen elektrische Signale an das Gehirn senden, ändert sich nach einem bestimmten Muster.
Die Auswertung der so codierten Informationen könnte im Thalamus, dem “Radioempfänger” des Gehirns, erfolgen, vermuten die Weizmann-Forscher. Das Frequenzmuster der modulierten Nervensignale würde dort mit der Trägerfrequenz verglichen.
Im menschlichen Gehirn könnten ähnliche Prozesse ablaufen, wenn beispielsweise die Fingerspitzen über eine rauhe Oberfläche streichen.




