Wenn ich morgens mit dem Auto zur Arbeit fahre, muß ich im Berufsverkehr die ganze Stadt durchqueren und komme schon erschöpft und gereizt in meiner Firma an. Darum versuche ich meistens, meinen Wagen nicht vor der Firma zu parken, sondern noch ein wenig weiter zu fahren und ihn am Eingang eines kleinen Parks abzustellen, durch den ich dann zur Arbeit spazieren kann. Dieser Park ist rechteckig und wird von vier belebten, lauten Straßen umschlossen, aber dichte Hecken und viele Bäume dämpfen den Verkehrslärm, so daß es in seinem Inneren angenehm ruhig ist. Es gibt dort auch einen kleinen Platz, der von Bänken umsäumt ist, mit einem gotischen Brunnen, auf dem ein steinerner Friedrich Barbarossa thront. Von den vier Ekken des Parks laufen Wege geradlinig auf diesen Platz zu. Meine Firma liegt an der Nordwestecke des Parks, und ich stelle mein Auto, je nachdem wo ich gerade Platz finde, entweder an der Südwest- oder an der Südostecke ab. Dann gehe ich von der jeweiligen Parkecke zum Platz mit dem Brunnen und von dort aus weiter zur Nordwestecke. Das ist nur ein kurzer Spaziergang – ich brauche zwei Minuten von der Südwestecke oder sechs Minuten von der Südostecke bis zum Brunnen und sieben Minuten vom Brunnen bis zur Nordwestecke -, aber ich komme entspannt in der Firma an. In der letzten Woche jedoch wäre ich beinahe zu spät zur Arbeit gekommen. Als ich bei meinem Spaziergang durch den Park zum Brunnen kam und in den Weg zur Nordwestecke biegen wollte, stand dort ein Schild: “Wegen Baumarbeiten gesperrt”. So blieb mir nur der Weg über die Nordostecke. Ich hatte die Entfernung unterschätzt, und da ich, nachdem ich den Park verlassen hatte, auch noch an seiner gesamten Nordseite entlanggehen mußte, erreichte ich erst in letzter Minute meine Arbeitsstelle. Wissen Sie, wie lange ich vom Brunnen bis zur Nordostecke des Parks unterwegs war? Sie dürfen davon ausgehen, daß ich immer mit der gleichen Geschwindigkeit gehe.
Die Lösung des Januar-Cogitos:
Um diese Aufgabe lösen zu können, muß man die Schaltjahresregel unseres Gregorianischen Kalenders genau kennen, nach der beispielsweise 1896, 1904, 1908 und 2000 Schaltjahre sind, das Jahr 1900 jedoch nicht.
Zunächst schreibt man listenförmig die je vier Behauptungen von Albert, Heinrich und Wilhelm auf. Albert: 1. Alle drei Jahre ist ein Schaltjahr. 2. Wir schreiben das Jahr 1916. 3. Was Wilhelm über mich … und so weiter. Dann kann man der Reihe nach schließen: Alberts erste Aussage ist falsch. Das bedeutet, daß Heinrichs dritte Behauptung falsch und Wilhelms dritte Behauptung richtig sind. Dies wiederum hat zur Folge, daß Alberts dritte und Heinrichs zweite Aussage falsch sind und Wilhelms vierte Behauptung richtig ist. Wenn Alberts zweite Aussage wahr wäre, würden alle Behauptungen von Heinrich falsch sein. Das ist aber nicht möglich, da nach der Aufgabenstellung jeder mindestens einmal die Wahrheit sagt. Folglich ist Alberts zweite Aussage falsch und seine vierte richtig. Auch wenn Wilhelms zweite Aussage unwahr wäre, würden alle Behauptungen von Heinrich falsch sein. Folglich ist sie richtig. Weil Wilhelm mindestens einmal die Unwahrheit gesagt hat, muß seine erste Behauptung falsch und damit Heinrichs erste wahr sein. Das einzige Jahr im 20. Jahrhundert, in dem man sagen kann, es habe schon über sechs Jahre kein Schaltjahr mehr gegeben, ist 1903. Folglich stammt die Tagebucheintragung meines Großvaters aus diesem Jahr.
Heinrich Hemme





