Für die Mathematik gilt dasselbe wie für den Marathonlauf, sagt Keith Devlin: Man muss nur wollen: Wer sprechen lernen konnte, kann auch den Zugang zur höheren Mathematik finden. Ein Mathe-Gen gibt es genauso wenig wie ein Sprach-Gen. Beide Fähigkeiten beruhen darauf, dass der Mensch unabhängig von Sinneseindrücken und Instinkten Was-wäre-wenn-Szenarien entwerfen kann. So ist es im Prinzip dasselbe, ob man sich eine Vorstellung von der Differenzialrechnung macht oder vom komplizierten Familienleben der Beimers in der Fernsehserie “Die Lindenstraße”.
Es kommt noch besser: Mathematikern macht Mathematik sogar aus denselben Gründen Spaß wie die “Lindenstraße” ihren Fans: Es ist die Lust an Klatsch und Tratsch. Nur heißen die Objekte der Neugier in der Mathematik nicht Iffi Zenker und Else Kling, sondern eben Primzahlen und Pi.
Es sind interessante, streitbare, sehr erfrischende Thesen, die Devlin aufstellt. Sie entmystifizieren ein Fach, vor denen vielen graut, und bieten willkommene Argumente, wenn es mal wieder um die Frage geht, was angeboren und was anerzogen ist.
Dr. Barbara Messing





