Als man 1968 vor der Küste Alaskas große Ölfelder entdeckte, waren die Experten ratlos. Wie ließ sich der kostbare Rohstoff aus der Eiswüste zu den großen Ölhäfen an der Ostküste der USA transportieren? Die Manager des US-Konzerns Humble Oil and Refining beschlossen, erstmals mit einem Handelsschiff das Packeis der Nordwestpassage zu durchbrechen, den gefährlichen arktischen Seeweg von der Pazifikküste Alaskas bis in den Atlantik. Einen Tanker mit Eisbrecherqualitäten gab es nicht. Doch der sechs Jahre alte Öltanker „Manhattan” war interessant: ein gewöhnliches 30 000-Tonnen-Schiff, das dank seines kälteresistenten Stahls, der kleinen stabilen Tanks und des ungewöhnlich starken Motors geradezu ideal dafür war, zu einem Eisbrecher zu werden. Gemeinsam mit Eisbrecher-Experten der finnischen Werft Wärtsilä verpassten die Amerikaner dem Schiff eine damals revolutionäre Gestalt: einen starken Rumpf und vor allem einen flachen, breitschultrigen Bug. Damit sollte sich das Schiff wie ein ausladender Football-Spieler durchs Eis pressen. Im August 1969 brach der runderneuerte Koloss zu seiner 4400 Kilometer langen Testfahrt nach Norden auf. Als weltweit erster Tanker durchbrach er meterdickes Eis. Am Ziel in Alaska nahm er ein symbolisches Fass Öl an Bord, mit dem er nach New York zurückfuhr. Das Projektteam feierte sein „Manhattan-Experiment” als Erfolg. Doch das Schiff sollte nie wieder die Nordwestpassage befahren, denn kurze Zeit später gab es Grünes Licht für den Bau der Trans-Alaska-Pipeline, die man für wirtschaftlicher und sicherer hielt. Die Idee von der Nordwestpassage als Handelsroute lag auf Eis – bis heute.




