„Was machst du da?”, fragte Christina und schaute ihrer kleinen Schwester neugierig über die Schulter. „Meine Mathe-Hausaufgaben”, antwortete Inga und kaute nachdenklich auf ihrem Bleistift herum. „Wir sollen ein magisches Multiplikationsquadrat entwerfen, aber es klappt nicht.” „Ein magisches … was?”, mischte ich mich ein und legte die Zeitung beiseite. „Multiplikationsquadrat”, sagte Inga. „Nie gehört”, erwiderte ich. „Was ist das?” „Gewöhnliche magische Quadrate sind Additionsquadrate”, erklärte Inga. „Sie sind wie ein Schachbrett in lauter viereckige Felder unterteilt, in denen Zahlen stehen. Damit ein solches Zahlenquadrat magisch ist, muss die Summe der Zahlen in jeder Zeile, in jeder Spalte und in den beiden Diagonalen gleich groß sein.” „In China kennt man magische Quadrate schon seit über 2000 Jahren, in Arabien seit dem frühen Mittelalter und in Europa seit der Renaissance. Aber unser Vater kennt sie im 21. Jahrhundert noch immer nicht”, sagte Christina. Ohne auf diese respektlose Bemerkung einzugehen, fragte ich weiter: „Und warum nennt man sie magisch?” „Weil man ihnen magische Eigenschaften zuschrieb und sie als Amulette trug”, erklärte Christina. „Wir nehmen die magischen Quadrate in der Schule durch, und unser Mathelehrer hat gesagt, bei einem magischen Multiplikationsquadrat sei nicht die Summe der Zahlen in jeder Zeile, Spalte und Diagonale gleich groß, sondern das Produkt der Zahlen. Wir sollen ein solches Multiplikationsquadrat entwerfen, das 5 mal 5 Felder hat. Ich habe schon einen ganzen Block vollgeschrieben, aber es ist wie bei einem Sudoku: Zu Anfang sieht alles gut aus, und dann passen die letzten paar Zahlen nicht mehr.” „Zeig mal!”, forderte Christina ihre Schwester auf. Inga schob ihr ein Blatt zu, auf dem ein Quadrat zu sehen war. In einigen Feldern standen bereits Zahlen, andere waren noch frei. Christina warf einen kurzen Blick darauf. „Du brauchst gar nicht weiter zu machen, denn das kann nicht klappen.” „Mist!”, erwiderte Inga und warf ihren Bleistift weg. „Außerdem kommen in deinem Quadrat die Zahlen mehrfach vor. Müssen sie denn nicht unterschiedlich sein?” „Nein, müssen sie nicht”, entgegnete Inga. „Sie müssen nur positiv und ganzzahlig sein.” Christina dachte einen Moment nach. „Ich kann dein Quadrat noch retten”, sagte sie, nahm den Bleistift und schrieb hinter jede Zahl, die bereits in Ingas Quadrat stand, ein x. „Wenn du jede deiner 15 Zahlen mit x multiplizierst, kannst du für die freien Felder Zahlen finden, durch die das Quadrat magisch wird.” „Doch wie groß ist x?”, fragte ich. „Aber Papa, das ist noch wirklich kinderleicht!”, empörte sich meine große Tochter. „Es gibt unendlich viele mögliche Werte für x. Wenn du ein wenig nachdenken würdest, könntest du schnell den kleinsten dieser Werte finden.” Ich versuchte es gar nicht erst. Aus langjähriger Erfahrung wusste ich, dass Aufgaben, die Christina kinderleicht nannte, für mich unlösbar waren, weil ich das Mathematikschulwissen längst vergessen hatte. Kennen Sie den kleinstmöglichen Wert für x?
So machen Sie diesen Monat mit
Teilnehmen kann jeder, außer den Mitarbeitern des Verlags und deren Angehörigen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Schicken Sie bitte Ihre Lösung (ausschließlich!) auf einer Postkarte bis zum 31. Mai 2013 an:
bild der wissenschaft, Kennwort „Cogito 05|13″
Ernst-Mey-Str. 8, 70771 Leinfelden-Echterdingen
Die Lösung und die Namen der Gewinner werden im August-Heft 2013 auf der Leserbrief-Seite veröffentlicht.
Das gibt es zu gewinnen
Unter den Einsendern der richtigen Lösung werden fünf Bücher ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Buchpreis ist „Warum ich weiß, was du denkst”. Darin beschreibt der Psychologe und Hirnforscher Rainer Bösel, Professor an der International Psychoanalytic University in Berlin, die Kunst des Gedankenlesens – nicht als esoterischen Hokuspokus, sondern als gut verständliche Zusammenfassung des aktuellen Kenntnisstands der Hirnforschung, Psychologie, Kommunikationswissenschaft und Anthropologie. Dabei geht es vor allem um so- ziales Gespür, Einfühlungsvermögen sowie die Analyse von Gestik und Mimik. Denn in der Evolution wurde der Mensch darauf „getrimmt”, erahnen zu können, wie sich andere fühlen, wie sie reagieren und was man selbst unter ähnlichen Umständen tun würde. Umgekehrt hilft das Verständnis anderer – die Empathie – auch dabei, sich selber besser zu durchschauen. Mehr Informationen finden Sie unter www.galila.at.




