Drei junge Männer mit je einer Schwester wollen einen Fluß überqueren. Es steht nur ein Boot für zwei Personen zur Verfügung. Kein Mädchen darf aber auf einem der Ufer oder im Boot ohne den Schutz seines Bruders der Gewalt der anderen Männer ausgesetzt sein, da diese die Lage sofort ausnutzen würden. Wie kommen alle sechs unversehrt ans andere Ufer? Eine Aufgabe, reizvoll auch für Leute, die sonst in anderen Kreisen verkehren. Das ist eines der im Buch behandelten, oft Jahrtausende alten mathematischen Rätsel, manche nur als Übungsaufgabe gedacht, etwa die, welche sich der Abt von St. Martin in Tour für seinen Schüler, Karl den Großen, ausdachte.
Kannte ein Eingeborenenstamm vor 10000 Jahren im heutigen Zaòre schon die Primzahlen? Was wußten die Ägypter und die Chinesen vom Satz des Pythagoras? Ich fand die Antworten des Autors faszinierend. Mir wurde bewußt, daß Europa vor 1000 Jahren in der Mathematik und in den Naturwissenschaften ein unterentwickeltes Land war, auf das die Völker Afrikas und Asiens nur mitleidvoll herabblicken konnten.
Ein Buch voller Überraschungen, das allerdings vom Leser verlangt, daß er hin und wieder Papier und Bleistift zur Hand nimmt. Manchmal wäre es besser gewesen, der Autor hätte ausführlicher erklärt. An einer Stelle mußte ich lange grübeln – und ich bin mir nicht sicher, ob ich es jetzt richtig verstanden habe. Der Abschnitt schließt mit dem Satz: “Heute ist das kinderleicht…”. Da wünschte ich mir, wieder Kind zu sein.
Dominic Olivastro DAS CHINESISCHE DREIECK Droemer Knaur München 1997 319 S., DM 32,-
Rudolf Kippenhahn





