Wissensbuch des Jahres 2024 in der Kategorie ÜBERRASCHUNG
Was zieht die Autorin dorthin? Der Reiz des Unberührten kann es nicht sein, denn es ist der Mensch, der an diesen zwölf “lost places” für die sichtbare Zerstörung gesorgt hat. Cal Flyn erkennt neben den großen menschengemachten Schäden die unerschütterliche Resilienz, die erstaunliche Kraft der Natur, die sich das zurückholt, was ihr einst gehörte – ein Hoffnungsschimmer in aller Tristesse. Pflanzen wachsen auf den Minenfeldern, ziehen die Schadstoffe aus der Erde. Neue Kreuzungen zwischen heimischen und invasiven Arten entstehen. Einst domestizierte Tiere werden wieder zu Wildtieren. “Wir können an diesen natürlichen Laboren beobachten, wie unsere Lebensumwelten sich im stetigen Wandel neu gestalten”, sagt Flyn.
Die Autorin lädt uns als einfühlsame, kenntnisreiche Beobachterin von Flora und Fauna auf eine Reise ein, die wir selbst wohl so nie angetreten hätten. Ihre Botschaft weist in die Zukunft und ist versöhnlich: Da ist Hoffnung, dass es an all diesen Orten “vielleicht doch noch Potenzial für eine andere Form von Leben gibt”. Nicola Wessinghage
Cal Flyn
VERLASSENE ORTE
Enden und Anfänge in einer menschenleeren Welt
Übersetzt von Milena Adam
Matthes & Seitz Naturkunden, 344 S., € 34,–
ISBN 978-3-7518-4004-0





