Naturwissenschaft und Philosophie werden die Engelsflügel beschneiden, alle Geheimnisse mit Zirkel und Lineal auskundschaften, die Geister der Luft, die Gnome der Höhlen verschwinden lassen, den Regenbogen…
Naturwissenschaft und Philosophie werden die Engelsflügel beschneiden, alle Geheimnisse mit Zirkel und Lineal auskundschaften, die Geister der Luft, die Gnome der Höhlen verschwinden lassen, den Regenbogen entzaubern, klagte der englische Dichter John Keats und bedauerte dabei vor allem den ästhetischen Verlust. In der Physik ist die Erklärung in vielen Fällen schöner als die Frage, und noch häufiger birgt die Lösung eines Rätsels die Erklärung für ein noch tieferes, noch fesselnderes Geheimnis, hält ihm Mario Livio entgegen.
Der theoretische Physiker ist wissenschaftlicher Leiter am Space Telescope Science Institute in Baltimore und schon dadurch mit den Schönheiten des Universums engstens vertraut. Nun hat er sich mit einem ungewöhnlichen und faszinierenden Buch mitten in die häufig beschworene Kluft zwischen den zwei Kulturen Kunst und Naturwissenschaft gewagt.
Der Brückenschlag ist ihm geglückt. Er beschreibt nicht nur glänzend die neuen Entdeckungen in Mikro- und Makrokosmos, sondern er spart auch nicht an literarischen Zitaten und vielen Parallelen zur modernen Kunst. Und er deckt die Schönheit in den Theorien der modernen Physik auf, um sie für künftige Forschungen fruchtbar zu machen. Seine Kriterien sind hierbei Symmetrie, Einfachheit und Allgemeingültigkeit der Gesetze, ohne eine menschliche Sonderstellung.
Rüdiger Vaas




