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Darwins Evolutionslehre in neuem Licht
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Darwins Evolutionslehre in neuem Licht

Wer sich für die Entstehung der Arten interessiert, kommt an Richard Dawkins nicht vorbei. 1976 sorgte der britische Evolutionsbiologe mit „Das egoistische Gen“ für reichlich Gesprächsstoff. Während die Gesellschaft über den Egoismus als biologisches Prinzip stritt, wollte er den Blick weg von der Arterhaltung hin…
Autor
Michael Lange
05. April 2026
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Allgemein

Buchcover mit Titel, Autor, Pufferfisch und einem roten Label Wer sich für die Entstehung der Arten interessiert, kommt an Richard Dawkins nicht vorbei. 1976 sorgte der britische Evolutionsbiologe mit „Das egoistische Gen“ für reichlich Gesprächsstoff. Während die Gesellschaft über den Egoismus als biologisches Prinzip stritt, wollte er den Blick weg von der Arterhaltung hin zur genetischen Information lenken. 50 Jahre später wählt er einen anderen Fokus.

Im Original heißt sein neues Werk „The Genetic Book of the Dead“, das genetische Totenbuch. Darin beschreibt er, wie Milliarden Jahre Evolution das Leben auf der Erde geprägt und bis heute Spuren hinterlassen haben. Denn jedes Lebewesen trägt in sich die genetische Erinnerung an alle Vorfahren. Das reicht zurück bis zu Bakterien und einfachen Einzellern.

Dawkins erklärt seine Vorstellung von der Evolution mit zahlreichen Beispielen, von Jana Lenzová hervorragend illustriert. Sie zeigen eindrücklich: Die Evolution weiß nicht, wohin ihre Reise geht. Sie plant nicht, sie reagiert und improvisiert. So verließen die Vorfahren der Schildkröten einst das Meer und passten sich an das Landleben an. Später gingen sie aus unbekannten Gründen zurück ins Wasser. Die heutigen Meeresschildkröten blieben dort. Einige jedoch gingen erneut an Land. Aus ihnen entwickelten sich die Landschildkröten. Dawkins ist überzeugt: Zukünftige Biologen werden die Reise der Schildkröten im Detail aus den Genen lebender Tiere rekonstruieren können. Das gilt auch für uns Menschen und unsere Herkunft. Wenn wir vom vielen Sitzen Rückenschmerzen haben, liegt das nicht zuletzt daran, dass unsere Wirbelsäule entstand, als unsere Ururur-Ahnen noch auf vier Beinen liefen.

Das Buch liest sich wie eine Fortsetzung von „Das egoistische Gen“ nach fast 50 Jahren, wenn auch weit weniger provokativ. Wem die Einsichten des 85-Jährigen zu wenig revolutionär erscheinen, der sollte das Buch auf jeden Fall zu Ende lesen. Vorsicht Spoiler! Im letzten Kapitel präsentiert Dawkins eine neue Sicht auf die Evolution. Er beschreibt den Genpool einer Spezies als gigantische Kolonie aus Viren, die nur ein Ziel haben: Sie wollen in die Zukunft reisen. Michael Lange

Richard Dawkins
Das große Buch der Evolution
Hoffmann und Campe Verlag, 464 S., € 39,–
ISBN 978–3–455–02073–1

Landschildkröte

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