Der bekannte Evolutionsbiologe Stephen Jay Gould führt seine Leser auf einen Streifzug durch die Naturgeschichte. Der ist unterhaltsam, wenn auch bisweilen recht beschwerlich. Denn Gould hält nicht viel von der Vereinfachung der Begriffe.
Aber man muß die 600 Seiten ja nicht an einem Stück lesen: Jedes Kapitel ist ein abgeschlossener Essay – einer von über 200, die der fast 60jährige Gould über 25 Jahre lang monatlich im „ Natural History Magazine” publiziert hat. Darin schlägt er überraschende Brücken: zwischen Macbeth und dem Jurassic Park oder zwischen kreolischen Sprachen und Schnecken. Oft gelingt ihm dies gekonnt – etwa im Kapitel „Cordelias Dilemma”, wo er mit dem Schweigen von König Lears Tochter Cordelia vehement dafür plädiert, auch negative Forschungsergebnisse zu publizieren.
Goulds Held ist Charles Darwin, und seine Feinde sind die Kreationisten, die die Evolutionstheorie für nicht belegt halten und an eine Schöpfung Gottes glauben. In anderen Essays geht es um Literatur, um die Funktion von Museen, die Spielarten der Eugenik und die Grenzen von Naturwissenschaften. Wenn manchmal die endlosen Einschübe in Klammern auch nerven – das Stochern in Goulds Heuhaufen lohnt sich.
Stephen Jay Gould
EIN DINOSAURIER IM HEUHAUFEN
S. Fischer
Frankfurt am Main 2000
604 S., DM 49,90
ISBN 3-10-027808-9
Karin Hollricher





