Selten wird eine Journalistin so ausdauernd honoriert, wie es Claudia Eberhard-Metzger vor vielen Jahren für ihren Text „Fünf Monate fasten bis zum ersten Fisch” widerfuhr. Der an einem klirrend kalten Januartag erschienene Artikel beschäftigte sich mit der Wärmeregulation bei Pinguinbabys. Zunächst erhielt die Redakteurin der „Neuen Ärztlichen” eine Flut von Leserbriefen, in denen die Schreiber bekundeten, sie hätten mit den Pinguinbabys furchtbar mitgefroren. Später brachten ihr Freunde immer wieder Spielzeugpinguine aus aller Welt mit. „Ich habe sie noch alle hier in meinen Arbeitszimmer stehen”, erklärt die Autorin, die bild der wissenschaft seit mehr als zwei Jahrzehnten unterstützt.
Claudia Eberhard-Metzger hat Biologie und Germanistik studiert. Nach dem Ersten und Zweiten Staatsexamen arbeitete sie in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Seit 1990 ist sie freie Autorin – und hilft gelegentlich in Redaktionen aus, wie 1993 auch bei bild der wissenschaft.
In ihren Beiträgen für bild der wissenschaft beschäftigt sich die in Maikammer an der südlichen Weinstraße lebende Journalistin meist mit neuen Entwicklungen in der biowissenschaftlichen Grundlagenforschung und Medizin. Die Buchautorin („Die nächste GENeration”) ist bei uns auch eine vielbeschäftigte Rezensentin. Ihr aktueller Bericht über Fluch und Segen von Mikrokrediten (auf den Seiten 70 bis 75) ist das Resultat einer Reise vom Herbst 2011 mit ihrem Mann in nepalesische Dörfer.
Wie kommen Sie zu Ihren Themen?
Schnüffeln in jeder Art: lesen, sehen, hören, sprechen.
Welchen Wissenschaftler bewundern Sie?
Mir gefallen Menschen, die über den Tellerrand dessen, was sie tun, hinaussehen und soziale Verantwortung zeigen. Da fällt mir spontan der Nobelpreisträger Günter Blobel ein, der einen Teil seines Preisgeldes für den Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden gespendet hat, im Gedenken an seine Schwester, die während des Zweiten Weltkriegs auf der Flucht umgekommen ist.
Wo und wann veröffentlichten Sie Ihren ersten honorierten Artikel?
Das war ein Beitrag über die Molekularbiologie der Krebsentstehung als Redakteurin der Zeitschrift des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg, irgendwann in den 1980er-Jahren.
Warum lesen Sie trotz Internet immer noch Zeitungen und Zeitschriften?
Weil in guten Zeitungen und Zeitschriften eine hinsichtlich Inhalt, Text und Gestaltung zielgerichtete qualitätssteigernde Energie steckt.
Ecken Sie mit Ihren Themen an?
Mit meinen Themen will ich nicht anecken. Ich will verständlich informieren und dazu beitragen, dass Nichtfachleute biowissenschaftliche Themen verstehen und sich durch fundiertes Wissen eine eigene Meinung bilden können.
Was bringt Sie am Wissenschaftsbetrieb auf die Palme?
Veröffentlichungen, deren Inhalt sich nach Übersetzung des Fachchinesisch in eine allgemein verständliche Sprache als banal entpuppt. Kongresse in englischer Sprache vor überwiegend deutschem Publikum. Der zunehmende Einfluss einer zur Ideologie geronnenen Betriebswirtschaft auf Universitäten und der Gedanke, aus Universitäten „Marken” und aus wissenschaftlichen Inhalten „ Produkte” machen zu wollen.
Welches ist Ihr populärwissenschaftliches Lieblingsbuch?
Ich habe gleich drei: „Du und das Leben” von Karl Frisch, Erwin Schrödingers „Was ist Leben”? sowie „Die Maus, die Fliege und der Mensch” von François Jacob.
Brauchen wir die synthetische Biologie?
Wenn damit neue Lebensformen geschaffen werden wie das kürzlich vorgestellte superansteckende Grippevirus – ganz sicher nicht. Man hat den Keim hergestellt, um bessere Impfstoffe entwickeln zu können. Doch dadurch setzt man etwas in die Welt, das missbraucht werden kann. Berthold Brecht lässt seinen Galilei sagen, dass das einzige Ziel der Wissenschaft darin bestehe, die Mühseligkeit der menschlichen Existenz zu erleichtern. Das scheint mir noch immer das beste Kriterium zu sein, um die Qualität sowie Sinn und Zweck wissenschaftlicher Arbeit zu beurteilen. wh




