Der große Naturforscher war 23, als er auf seiner Reise mit dem Vermessungsschiff „Beagle” die Kapverdischen Inseln erreichte. Ein Auszug aus Darwins Reisetagebuch:
„Mit großem Interesse studierte ich immer wieder einen Oktopus oder Tintenfisch. Obwohl die Tiere in den Tümpeln, die bei Ebbe am Strand zurückbleiben, häufig vorkommen, kann man sie nicht leicht fangen. Mithilfe ihrer langen Arme und ihrer Saugnäpfe zwängen sie ihre Körper in schmalste Spalten, und es erfordert große Kraft, sie dort herauszuziehen. Manchmal schießen sie auch, Schwanz voraus, pfeilschnell von einem Ende des Tümpels zum anderen und tauchen dabei das Wasser in kastanienbraune Tinte. Außerdem tarnen sich diese Tiere durch ihre außerordentliche chamäleonhafte Fähigkeit, ihre Farbe zu wechseln.
Sie scheinen ihre Färbung der Natur des Bodens anzupassen, über dem sie sich bewegen: In tiefem Wasser zeigen sie ein bräunliches Violett, an Land oder im seichteren Wasser ein gelbliches Grün. Genauer betrachtet, erwies sich die Farbe als ein Französisch-Grau, das mit zahlreichen gelben Pünktchen gesprenkelt war: Der Hintergrund variierte in der Intensität, während die Pünktchen abwechselnd komplett verschwanden und wieder auftauchten. Dabei liefen Wolken, die zwischen Hyazinthrot und Kastanienbraun changierten, kontinuierlich über den Körper hinweg. (…) Diese Wolken oder Rötungen, so heißt es, werden durch die abwechselnde Expansion und Kontraktion kleiner Bläschen produziert, die verschiedenfarbige Flüssigkeiten enthalten. (…)
Während ich so am Ufer kauerte, den Kopf etwa zwei Fuß oberhalb des steinigen Strands, und nach Meereslebewesen Ausschau hielt, wurde ich mehr als einmal von einem Wasserstrahl begrüßt, der von einem leicht kratzenden Geräusch begleitet war. Erst wusste ich nicht, was das war, nach einer Weile aber fand ich heraus: Es war dieser Tintenfisch, der – obwohl in seinem Loch verborgen – mich auf diese Weise auf sich aufmerksam machte. Dass er Wasser speien kann, daran besteht kein Zweifel, aber mir kam es so vor, als könne er auch wirklich gut zielen, indem er die Röhre oder den Siphon an der Unterseite seines Körpers entsprechend ausrichtete. (…) Einer, den ich in meiner Kabine hielt, phosphoreszierte leicht in der Dunkelheit.”
übersetzt von Judith Rauch




