Im Juli 2010 machten Taucher in der Ostsee vor den finnischen Åland-Inseln eine spannende Entdeckung: In rund 50 Metern Tiefe stießen sie auf ein Schiffswrack, das um 1840 gesunken war. Wie das Schiff hieß, woher es kam und wohin es auf den Weg war, ist bis heute unbekannt. Der Schoner hatte jedoch allerhand feine Waren an Bord – unter anderem 186 intakte Flaschen mit Champagner und weitere mit Wein und Bier. Anhand der auf den Korken eingebrannten Wappen und Schrift ließ sich sogar noch Herkunft und Marke des Champagners rekonstruieren: Es handelte sich um Veuve Clicquot Ponsardin, Heidsiek und Juglar – allesamt noch heute bekannte Edelmarken. “Diese Flaschen enthalten damit wahrscheinlich den ältesten Champagner, der jemals gekostet wurde”, konstatieren Philippe Jeandet von der Université de Reims Champagne-Ardenne und seine Kollegen. Weil einige der Flaschen im Wrack unter nahezu perfekten Bedingungen – kühl, dunkel und liegend – konserviert waren, könnte ihr Inhalt noch gut erhalten sein. Wie der gut 170 Jahre alte Champagner schmeckt und was seine chemische Zusammensetzung über die damalige Weinherstellung verrät, haben die Forscher nun untersucht.
Von “käsig” bis “rauchig”
In der Verkostung bekamen Champagnerexperten Proben von drei der Flaschen aus dem Schiffswrack, darunter zwei Veuve Clicquot und ein Juglar, sowie Proben von drei modernen Champagner aus den Jahren 1950, 1980 und 2011. “Zuerst wurden die Ostseeproben mit Begriffen wie ‘tierische Noten’, ‘nasse Haare’, ‘Reduktion’ und manchmal ‘käsig’ beschrieben”, berichten die Forscher. Das sei typisch für Wein, der lange unter Sauerstoffabschluss gelagert worden sei. Die käsigen Noten deuten zudem auf eine unvollkommene Vergärung der Säuren durch Milchsäurebakterien und Hefen. Als der Wein aber einige Zeit in einem Glas geschwenkt worden war, um ihn Sauerstoff aufnehmen zu lassen, bekam er einen deutlich angenehmeren Geschmack. Die Experten beschrieben Hauptaromen nun als fruchtig, blumig, aber auch würzig, rauchig und lederartig. Letzteres führen die Forscher darauf zurück, dass der Champagner damals vor der Flaschengärung in Holzfässern vorgegärt wurde. Heute geschieht dies in Stahltanks.
Als nächstes analysierten die Forscher die Inhaltsstoffe der drei gut 170 Jahre alten Champagnerflaschen und der drei modernen Vergleichsweine mit Hilfe verschiedener Analysemethoden, darunter der Massenspektrometrie und der Chromatografie. Wie sich zeigte, enthielt der alte Champagner ungewöhnlich viel Eisen und Kupfer, die Werte lagen zwischen fünf und 50 Mal höher als beim modernen Wein. Nach Ansicht der Forscher könnte dies daran liegen, dass der Champagner vor der Abfüllung in Holzfässern mit Eisennägeln gelagert wurde. Dafür spricht auch die Anwesenheit von Chemikalien, die für Eichenholz typisch sind. Das Kupfer könnte dagegen von der Haut der Trauben stammen, da schon damals Kupfersulfat als Spritzmittel im Weinberg eingesetzt wurde, wie Jeandet und seine Kollegen erklären.





