Nie zuvor haben Menschen so kleine Details so scharf gesehen wie jetzt auf dem Mars. Denn die Raumsonde Phoenix, die dort am 25. Mai gelandet ist – im Green Valley in der nördlichen Arktis, etwa auf dem 70. Breitengrad –, nimmt den Roten Planeten mehr als nur unter die Lupe. Sie hat als erste Raumsonde überhaupt zwei Mikroskope an Bord: ein Licht- und ein Rasterkraftmikroskop. Bilder des Lichtmikroskops wurden bereits zur Erde gefunkt. Sie zeigen winzige Staubpartikel aus der Mars-Atmosphäre und Sandkörnchen auf dem Permafrostboden, die zum Teil nur ein Zehntel so dick sind wie ein menschliches Haar. Manche Partikel sind schwarz und glasig und wohl vulkanischen Ursprungs, andere sind rötlich und könnten eisenhaltige Verwitterungsprodukte der glasigen Teilchen sein. Mindestens vier verschiedene Mineralien haben die Wissenschaftler bereits unterschieden. Der Stoff, aus dem der Mars-Boden ist, erwies sich zudem als überraschend klebrig. Woran das liegt, wissen die Forscher noch nicht.
Phoenix ist die sechste Sonde, die auf dem Roten Planeten erfolgreich gelandet ist und die erste seit 1976, die nur mit Fallschirm und Bremsraketen aufsetzte – ohne Airbags. Wie die früheren Viking-Sonden hat auch Phoenix einen Roboterarm. Er kann bis zu 50 Zentimeter tief graben und ist mit einer am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau gebauten Digitalkamera ausgestattet. Der 2,35 Meter lange Arm hat bereits einige Bodenproben gesammelt. Ein Teil davon kommt in einen der acht linsengroßen Öfen an Bord, in denen die Proben auf bis zu 1000 Grad Celsius erhitzt werden, um ihre chemische Zusammensetzung mit einem Massenspektrometer zu analysieren. Jeder Ofen wird nur einmal verwendet. Die große Hoffnung der Wissenschaftler ist es, Wassereis im Mars-Boden nachzuweisen. Bei Redaktionsschluss am 20. Juni gab es auf manchen Fotos dafür erste Indizien.
Die 350 Kilogramm schwere Sonde startete am 4. August 2007 mit einer Delta II-Rakete. Mit 420 Millionen Dollar ist die komplexe Mission vergleichsweise billig, weil für die Sonde viele Teile des Mars Surveyor Lander 2001 verwendet wurden, der nicht zum Einsatz kam. Die damals fast fertiggestellte Lander-Sonde wurde modernisiert. Sie erstand quasi wieder auf wie Phoenix aus der Asche – daher ihr Name.
Redaktion: Hans Groth, nachrichten@bild-der-wissenschaft.de




