Dunkelheit versus Schummerlicht
Für ihre Studie untersuchten Hill und seine Kollegen, wie sich nächtliches Licht auf den Melatonin-Spiegel und auf die Tumorentwicklung von Ratten auswirkt. Dafür pflanzten sie den Ratten menschliche Brustkrebs-Tumore ein. Eine Hälfte der Tiere wurde dann in einem Tag-Nacht-Rhythmus von zwölf Stunden Licht und zwölf Stunden völliger Dunkelheit gehalten. Eine zweite Gruppe hielten die Forscher im gleichen Rhythmus, die Dunkelphase wurde jedoch von schummrigem Licht erhellt – etwa vergleichbar mit dem Lichtschimmer unter einer geschlossenen Tür, wie Hill erklärt. Zusätzlich erhielten einige der Tiere aus beiden Gruppen das Krebsmedikament Tamoxifen.
Obwohl sich beide Gruppen nur durch das leichte Schummerlicht während der Nacht unterschieden, waren die Konsequenzen erheblich: Die Tumore der bei Schummerlicht gehaltenen Ratten wuchsen 2,6 Mal schneller als die ihrer Artgenossen mit dunkler Nacht, wie die Forscher berichten. Gleichzeitig blieben ihre Melatonin-Spiegel durchgehend niedrig, statt nachts anzusteigen. Aber nicht nur das: Das Tamoxifen erwies sich bei den “beleuchteten” Ratten zudem als komplett unwirksam. Die Tumore wuchsen ungehindert weiter an. Nach Ansicht der Forscher spricht dies dafür, dass schon sehr schwaches Licht in der Nacht ausreicht, um die Melatonin-Produktion zu stören. Der fehlende Botenstoff wiederum fördert das Wachstum von Krebszellen und macht sie gleichzeitig immun gegen das Tamoxifen. “Hohe Melatoninwerte in der Nacht ‘schläfern’ die Krebszellen ein, indem sie ihre Wachstum-Mechanismen abschalten”, erklärt Koautor David Blask von der Tulane University. Dadurch wird der Tumor durch das Tamoxifen angreifbar. Ist das Licht aber an und das Melatonin unterdrückt, dann bleiben die Krebszellen aktiv und damit unempfindlich gegenüber dem Krebsmittel.
Schon eine Straßenlampe vor dem Fenster könnte ausreichen
Das aber könnte bedeuten, dass auch bei Brustkrebs-Patientinnen schon geringes nächtliches Licht ausreicht, um die Wirkung der Krebstherapie mit Tamoxifen zu stören. “Obwohl unsere Daten aus Versuchen mit Ratten stammen, haben sie erhebliche Bedeutung für Brustkrebs-Patientinnen, die mit Tamoxifen behandelt werden”, sagt Hill. Noch wissen die Forscher zwar nicht genau, ab wie viel Licht dieser störende Effekt auftritt. Sie vermuten aber, dass sogar schon das bisschen Licht ausreichen könnte, das von einer Straßenlampe durch das Schlafzimmerfenster fällt. Weitere Versuche sollen die genaue Lichtmenge demnächst klären.





