Seit 1979 denken Politiker in Spanien und Marokko über eine Verkehrsverbindung zwischen ihren Ländern nach. Der Vorschlag des Brückenbauers Urs Meier, Ex-Direktor der Empa im schweizerischen Dübendorf: Eine gigantische Brücke soll Europa mit Afrika verbinden. Und zwar dort, wo die Kontinente sich am nächsten sind: an der 14 Kilometer breiten Wasserstraße von Gibraltar. Ein Tunnelbau ist wegen des bis zu 900 Meter tiefen Wassers kaum möglich.
Brückenpfeiler lassen sich aber nur in maximal 350 Meter Tiefe errichten. Eine Brücke muss also die gesamte Meerenge überspannen. „Mit Stahl und Beton lässt sich das nicht machen”, sagt Meier. „Die Brücke würde unter ihrem eigenen Gewicht kollabieren.” Die Lösung: eine 16,2 Kilometer lange Kombination aus zwei Schrägseilbrücken mit Seilen und Tragwerk aus festem, aber leichtem Kohlefaser verstärktem Kunststoff (CFK). „Die beiden Pylone wären über Wasser 850 und 1250 Meter hoch”, sagt Meier. (Zum Vergleich: Das höchste Gebäude der Welt, der Burj-Chalifa-Turm in Dubai, misst 828 Meter.) Zwischen den Pfeilern lägen 8400 Meter freie Spannweite. Damit wäre die Brücke mit der größten Stützweite von 1911 Metern, die Akashi-Kaiky-Brücke in Japan, um das Vierfache übertroffen. Um die Brücke zu fertigen, würde man 150 000 Tonnen Kohlefasern benötigen, das Doppelte der Weltjahresproduktion. Ein Problem sind auch die Kosten: CFK ist viermal so teuer wie Stahl.




