Nahezu jedes neu auf den Markt gekommene Medium hat die Gesellschaft immer schon in zwei Lager geteilt: die Befürworter und die Mahner. So ist es auch heute wieder. Außer Zweifel steht, dass der Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen durch die Digitalisierung einen ganz neuen Schub bekommen hat. War etwa der Fernsehkonsum vor wenigen Jahren schon aufgrund des festgelegten, nicht beeinflussbaren Programms zeitlich begrenzt, sind Medien im Alltag heutiger Kinder und Jugendlicher stets präsent. Tablet, Handy, Laptop: Schon die Jüngsten haben regelmäßig Zugriff auf diese Medien – mit nachgewiesenen Auswirkungen auf ihre Entwicklung.
Jüngste wissenschaftliche Erkenntnisse
Ein Aspekt, der Experten besonders interessiert, ist die Sprachentwicklung. Das Ergebnis einer Studie der University of Western Australia in Adelaide, die im März 2024 veröffentlicht wurde, zeigt: Kleinkinder, die viel Zeit am Bildschirm verbringen, hören weniger Wörter, sprechen selbst weniger und sind dadurch in ihrer Sprachentwicklung massiv beeinträchtigt.
In den Fokus ihrer Untersuchungen rückten die Wissenschaftler 220 Familien mit Kindern zwischen 12 und 36 Monaten. Sie stellten fest, dass eine Minute zusätzlicher Bildschirmzeit bei dreijährigen Jungen und Mädchen mit einer Reduzierung von im Schnitt 6,6 Wörtern einherging, die Mütter und Väter mit ihrem Nachwuchs sprachen.
Anett Sundqvist, Senior Associate Professor an der schwedischen Universität Linköping, kommt zu ähnlichen Ergebnissen. „Unsere Forschung hat gezeigt, dass ein hohes Maß an Bildschirmmedienbelastung negativ mit der Sprachentwicklung von Kindern zusammenhängt“, so Sundqvist. „Wir haben beispielsweise herausgefunden, dass eine längere Bildschirmzeit bei kleinen Kindern mit einer niedrigeren Zahl an Vokabeln einhergeht.“
Doch wie wirken sich spezielle Kindersendungen auf den Spracherwerb aus? Könnten diese gar förderlich sein? Wissenschaftler um Marina Krcmar von der Wake Forest University in Wisconsin haben etwa am Beispiel der Kindersendung Teletubbies herausgefunden, dass Kinder unter zwei Jahren hinsichtlich ihrer Sprachentwicklung nicht profitieren, wenn sie über den Bildschirm neue Vokabeln hören. So lernten die in die Studie einbezogenen 48 Mädchen und Jungen keine neuen Wörter, wenn sie die Sendung schauten. In der direkten Ansprache durch Erwachsene hingegen lernten die Kinder neue Wörter. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie der University of Washington. Sie bezog mehr als 1.000 Familien ein. Das Ergebnis: Kinder, die spezielle Baby-DVDs sahen, wiesen einen kleinen Wortschatz auf, während Kinder, denen vorgelesen wurde, den größten Wortschatz hatten.





