Neun Jahre lang war er bdw-Redakteur für Physik und Neue Medien. Dann lockten ihn andere Aufgaben. Doch er blieb dem Journalismus treu – und bild der wissenschaft. Auch nach dem Redaktionsausstieg schrieb er für uns, meist über Technik und Physik. 50 Beiträge zählt unser Register seither. Seine Aufträge erledigt der in Esslingen am Neckar aufgewachsene Müller (*1962), Vater eines 19-Jährigen, mit großer Stilsicherheit. Wir gehen gerne auf ihn zu – insbesondere, wenn ein Thema Gefahr läuft, bei einer journalistischen Herangehensweise nach Schema F knochentrocken auszufallen. Bernd Müllers zwei Beiträge in dieser Ausgabe – über die Entwicklung humanoider Roboter im Allgemeinen und den Roboter-Forscher im Besonderen – beweisen sein Geschick.
Freude am Schreiben („das liegt mir mehr als Organisieren”) verspürte der Physiker bereits bei seiner Diplomarbeit über die Analyse von Kristallstrukturen. Nach seinem Abschluss arbeitete er beim Verlag Markt + Technik im „Amiga-Magazin”. Dann tauschte er umgekehrt Redaktion gegen Hochschule und sattelte ein Studium in Journalistik an der Universität Hohenheim drauf. Dort lernte ihn der frühere bdw-Chefredakteur Reiner Korbmann kennen – und schätzen. Ab 1992 war Müller bdw-Redaktionsmitglied. Später – von 2003 bis 2008 – leitete er die Öffentlichkeitsarbeit beim Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe.
Inzwischen lebt er (Hobbys: Tauchen und Heimwerken) bei Bonn und leitet dort das Büro des Berliner Forschungszentrums Innokomm, „das Unternehmen und Wissenschaftsorganisationen zeigt, wie Innovation besser kommuniziert werden kann”, so Müller. Befragt nach bdw-Artikeln, an die er sich gerne erinnert, reagiert er sofort: „Alle Beiträge, die nicht in einem sterilen Labor recherchiert werden mussten.” Also etwa das Porträt des Paläohydrologen Knut Kaiser, mit dem er in Gummistiefeln durch die Tümpel Mecklenburg-Vorpommerns streifte, der Besuch beim Legolab in Dänemark oder der Termin beim Waffentesten im Ulmer Beschussamt. Übrigens: Müllers durch bdw dokumentierte Stilsicherheit und seine Zuverlässigkeit haben ihm bereits mehrfach Aufträge anderer Institutionen eingebracht.
Wie kommen Sie auf Ihre Themen?
Indem ich mit offenen Augen und Ohren durch die Welt laufe und mit vielen rede. Häufig ergeben sich die besten Themen aus vermeintlichen Nebensächlichkeiten, oft auch durch Verknüpfung mit zuvor anderswo Gesehenem und Gehörtem.
Welchen Wissenschaftler bewundern Sie?
Ich bewundere vor allem jene Wissenschaftler, die erfolgreich in Managementaufgaben hineinwachsen und ganze Institute, Hochschulen oder auch Unternehmen führen. Den wenigsten ist das in die Wiege gelegt, und hier sehe ich noch Weiterbildungsbedarf.
Wo und wann veröffentlichten Sie Ihren ersten honorierten Artikel?
Im Studentenmagazin Unicum. Das muss 1989 gewesen sein.
Warum lesen Sie trotz Internet Zeitungen und Zeitschriften?
Ehrlich gesagt tue ich das kaum noch. Außer der „Zeit”, journalistisch das Nonplusultra, und der Tauchzeitschrift „ Unterwasser”, wegen der tollen Fotos, konsumiere ich Informationen nur noch elektronisch – weil es schneller geht.
Ecken Sie mit Ihren Themen an?
So gut wie nie. Es ist nicht mein Ziel, jemand in die Pfanne zu hauen.
Was bringt Sie am Wissenschaftsbetrieb auf die Palme?
Heute ist es viel weniger als noch vor 20 Jahren. Was die Kommunikation angeht: Da ist vieles besser geworden, auch wenn einzelne Unis, Institute, Forscher noch mehr tun könnten.
Was ist Ihr populärwissenschaftliches Lieblingsbuch?
Derzeit alles von Richard David Precht. Wer wie ich bisher wenig mit Philosophie am Hut hatte, dem öffnen seine Bücher völlig neue Sichtweisen.
Welche Auswirkungen haben soziale Medien wie Blogs oder Facebook auf die Wissenschaft?
Sie sorgen für einen Paradigmenwechsel in der Wissenschaft, weil sie die Frage „Was ist gute Wissenschaft?” neu stellen. Ein bloggender Wissenschaftler wird heute vom System bestraft, weil man dort Reputation an Veröffentlichungen in renommierten Zeitschriften misst. Das wird sich ändern, auch wenn sich die etablierte Wissenschaft dagegen sträubt. Die Generation Facebook wird sich auch in der Wissenschaft online vernetzen. Das fördert Transparenz und beschleunigt Innovationen. wh




