und funktioniert’s?
Die Vorführung ging gründlich daneben. Ich hatte den Stift ganz gut im Griff und wollte einem Redaktionskollegen zeigen, wie einfach es mit Quicktionary ist, ein unbekanntes englisches Wort zu übersetzen. Doch das Ding wollte einfach nicht richtig funktionieren. Warum? Weil ich mir in der Eile nicht die Sekunde Zeit genommen hatte, um das Gerät exakt so an das zu übertragende Wort zu setzen, wie es in der Gebrauchsanweisung beschrieben ist: Der Stift muß senkrecht auf dem Papier stehen und das Wort muß mit “Gefühl” abgefahren werden. Wer das kann – so viel Gefühl hat jeder -, ist mit Quicktionary gut bedient. Im zufällig aufgeschlagenen Text des amerikanischen Wissenschaftsjournals “Science” machte ich die Probe: Ich scannte das Wort “perilous” ein. Etwa zehn Sekunden später konnte ich die deutsche Übersetzung “Gefahr” auf dem Display lesen – mußte allerdings selbst darauf kommen, daß es sich hier um das Adjektiv “gefährlich” handelt. Das danach eingelesene Adjektiv “arbitrary” war dagegen mit “willkürlich” direkt abgespeichert. Ein drittes Wort “justification” wurde mit “Rechtfertigung, Randausgleich” angezeigt.
Nur selten bin ich auf einen Begriff gestoßen, mit dem der Übersetzungsstift ganz und gar nichts anzufangen wußte. Selbst getrennte Wörter kann er erfassen: Nach einem Tastendruck liest man den ersten Teil und dann ohne weiteren Tastendruck den zweiten Teil eines Wortes ein. Doch in diesem Fall ist es noch wichtiger, exakt anzusetzen. Sonst muß man damit rechnen, daß der Stift erst nach wiederholtem Scannen kapiert, wie das Wort lautet. Dank der Speicherfunktion kann man sich die letzten 75 eingescannten Begriffe wieder auf das Display spielen und ist so in der Lage, sich in einer stillen Minute die nicht mehr geläufigen Begriffe einzuprägen. Nicht zuletzt dank der batteriesparenden Selbstabschaltung und dem leicht in der Jackentasche verstaubaren Gehäuse ist Quicktionary für mich der pfiffigste Dolmetscher, den die Technik jemals hervorgebracht hat.
Die Bedienung
Ein Tastendruck aktiviert das Licht einer roten Leuchtdiode und somit die Einscann-Bereitschaft. Unmittelbar darauf kann ein in Druckschrift geschriebenes Wort abgefahren und gescannt werden. Das eingescannte Bild wird auf einem Display vergrößert wiedergegeben. Schon dabei ist zu sehen, ob die Schriftenerkennung das Wort richtig aufgenommen hat. Wenige Augenblicke später erscheint der betreffende Eintrag aus dem Lexikon – oder es wird angezeigt, daß das Lexikon mit dem Wort nichts anzufangen weiß. In aller Regel dürfte dies auf einen unzureichenden Scannvorgang zurückzuführen sein. Immerhin enthält das Stichwortregister 28000 Stichwörter Englisch-Deutsch sowie ähnlich viele Deutsch-Englisch. Farbige Schriftzüge können ebenso eingelesen werden wie helle Schrift auf dunklem Hintergrund. Wunder darf man sich von Quicktionary freilich nicht erwarten: Wer mit dem Englischen auf Kriegsfuß steht, wird durch diesen Stift nicht gleich zum Übersetzungsweltmeister.
Der Preis
Für Quicktionary gibt es die unverbindliche Preisempfehlung von DM 299,- Das Gerät ist im Buch-, Versand- und Elektronikfachhandel ebenso zu erwerben sowie in Kaufhäusern.
Die Technik
Der Übersetzungsstift der zur Langenscheidt-Gruppe gehörenden Firma Hexaglot ist weltweit einzigartig. Das Besondere ist die Verknüpfung von Software, wie man sie von elektronischen Wörterbüchern kennt, mit der sogenannten OCR-Schrifterkennungs-Technologie. Entwicklungspartner hierfür war die israelische Firma Ligatures, die sich mit Handeinlesungssystemen einen Namen gemacht hat. Startschuß für die Entwicklung fiel im Januar 1997, seit Oktober werden die Stifte ausgeliefert, Ende 1997 waren bereits an die 30000 Quicktionarys verkauft.
Die Vorläufer
Seit Jahren bietet die Firma Hexaglot Übersetzungscomputer im Taschenrechnerformat an, die aus asiatischer Produktion stammen. Einfache Geräte sind inzwischen für weniger als 100 Mark zu kaufen. Während Quicktionary bisher nur für Englisch-Deutsch-Übersetzungen zu haben ist (und umgekehrt), können die mit einer kleinen Tastatur ausgerüsteten Übersetzungscomputer Begriffe aus bis zu sechs Sprachen übersetzen und haben Extrafunktionen wie Kalender, Währungsumrechnung oder Alarm.
Wolfgang Hess




