Am 4. Oktober wird die Raumfahrt 44. Sie ist, nach menschlichen Maßstäben gesehen, also in den besten Jahren. Einen Beleg dafür können wir während der Dämmerung sehen, wenn der – nach Mond und Venus – hellste Himmelskörper ISS in wenigen Minuten das Firmament durchquert. ISS, die Internationale Raumstation (seit 1999 im Aufbau, aber erst 2006 komplett), läßt die Weltraumnationen zusammenrücken: 15 Länder finanzieren ein außerirdisches Forschungslabor, das im Laufe der Jahre an die tausend Menschen betreten werden.
Diese Menschen werden einen Push für die bemannte Raumfahrt auslösen, wie er seit den sechs Mondlandungen (1969 – 1972) nicht mehr erlebt worden ist. Auch in Deutschland, wo die bemannte Raumfahrt nicht selten auf harsche Kritik stößt, wird sich diese Faszination aufbauen. Denn Raumfahrer gehören weiterhin zu den Beneideten unserer Zeit. Gepaart mit amerikanischer ISS-Promotion wird ihr öffentlicher Status wieder wachsen.
Deutschland läßt die Raumfahrt nicht kalt. Politisch nicht (siehe das Essay von Bundesministerin Bulmahn) und technologisch nicht. Dafür sorgt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Maßvoll, aber beharrlich erarbeiten die dortigen Forscher zusammen mit ihren internationalen Partnern die Grundlagen für eine fortschrittliche Raumfahrt – bemannt und unbemannt. Die Knappheit öffentlicher Mittel haben die DLR-Weltraumforscher, verteilt auf die Standorte Berlin, Bonn, Braunschweig, Göttingen, Köln, Lampoldshausen, Oberpfaffenhofen und Stuttgart, nie überschwenglich werden lassen – wie ihre NASA-Kollegen so manches Mal. Doch sie haben sich auch nie damit abgefunden, in eine international unbedeutende Rolle zu verfallen. Die wichtigsten, erfolgreichsten und zukunftsträchtigsten Ergebnisse dieser Anstrengungen präsentiert Ihnen dieses bdw-plus „Welt&All – Deutschlands Rolle in der Raumfahrt”.
Ein wohlhabendes Land, das Steuermittel selbst für den Ausbau von Formel-1-Rennstrecken freimacht, kann der Raumfahrt nicht fernbleiben – meinen Sie nicht auch?
Wolfgang Hess




