Die Medizin kann heute fast sämtliches Gewebe einer Leiche nutzen neben Knochen auch Haut, Sehnen, Knorpel und Gefäße: zum Beispiel für die Zahnimplantologie, die Augenchirurgie und die Orthopädie. Keller zeigt in ihrem Buch akribisch auf, wie die Gewebe verwertet werden und welche Preise die Produkte daraus auf dem Markt erzielen. Brisant: Auf der Rückseite des Organspendeausweises werden Organe und Gewebe stets gemeinsam genannt. Wer dort einfach nur Ja ankreuzt, gibt auch die Gewebe seines Körpers zur Entnahme frei, was sehr selten der Lebensrettung dient.
Die Autorin bezieht klar Position: Sie kritisiert die Kommerzialisierung des menschlichen Körpers, bemängelt die Nähe gemeinnütziger Organisationen zu gewinnorientierten Firmen und fordert eine bessere Aufklärung über die Gewebespende. Völlig unnötig allerdings, dass sie bestimmte Informationen etwa die, dass Hautlappen von Toten auch zur Penisverdickung eingesetzt werden an verschiedenen Stellen ihres Buches wiederholt.
Frank Frick




