Obwohl Blutplättchen weder einen Zellkern noch Erbgut besitzen, können sie sich reproduzieren. Diese überraschende Entdeckung haben Wissenschaftler eines internationalen Forscherteams um Hansjörg Schwertz von der University of Utah an den kleinen Blutzellen gemacht, deren Aufgabe das Verschließen von Wunden ist. In Labortests bildete ein Teil dieser Thrombozyten bereits nach wenigen Stunden fadenartige Fortsätze, an denen neue Zellen heranwuchsen wie Perlen an einer Schnur. Die auf diese Weise entstandenen Blutplättchen schienen völlig identisch mit den ursprünglichen Zellen zu sein. Bisher war man davon ausgegangen, dass Thrombozyten lediglich im Rückenmark entstehen, von wo aus sie dann in die Blutbahn gelangen. Die überraschende Vermehrung der Blutzellen konnten die Wissenschaftler zwar bisher nur im Labor sowie in Blutkon-serven beobachten. Sie gehen jedoch davon aus, dass eine solche Vermehrung auch im menschlichen Blutkreislauf stattfindet. Das könnte auch erklären, wie es dem menschlichen Organismus gelingt, trotz der geringen Anzahl blutbildender Zellen im Rückenmark ge- nügend Thrombozyten zu erzeugen. Von den Ergebnissen erhoffen sich die Forscher neue Ansätze für die Behandlung von Blutgerinnungsstörungen.




