Hurra! Wir sind wieder Exportweltmeister! Wir haben letztes Jahr mehr tolle Autos, Maschinen, Chemie und Blech verkauft als jedes andere Land der Welt. Die Verstimmung anderenorts ist groß. Deutsche Politiker und Verbandssprecher hingegen platzen vor Stolz.
Dumm nur, wenn auch exportiert wird, was man gerne behalten würde und was das ganze Wirtschaftswunderfeuerwerk erst ermöglicht hat: die klugen Köpfe aus eigener Erzeugung. Und da nimmt sich die Bilanz recht dürftig aus. Die Expertenkommission Forschung und Innovation EFI legte der Bundesregierung Ende Februar 2014 Zahlen vor, die auf einen massiven Brain Drain schließen lassen – auch wenn viele Wissenschaftler glauben, der sei längst Vergangenheit. Zwischen 1996 und 2011 haben demnach 23500 publizierende Wissenschaftler Deutschland verlassen, dafür sind 19500 zugewandert. Macht unterm Strich einen Verlust von 4000 Hochqualifizierten. Das mutet nicht so dramatisch an – ist es aber, weil die Importe laut SNIP-Impact-Faktor, der die Zahl der Zitationen in einer Zeitschrift angibt, bei Weitem nicht die Qualität aufweisen wie die Exporte.
Und selbst die Creme der Neuzugänge kehrt unserer Forschungslandschaft oft wieder den Rücken, wenn sie deren Zustand genauer kennengelernt hat. „Insbesondere für die Besten scheint das deutsche Forschungssystem derzeit nicht attraktiv genug zu sein”, mutmaßen die Gutachter. Gleiches gilt für die eingeborene Elite. Wenn die sich erst einmal zur Flucht entschlossen hat, zeigt sie wenig Neigung zur Rückkehr. Im Ergebnis, so die Expertenkommission, führt „anders als in den USA die internationale Wissenschaftlermobilität tendenziell zu einer Reduktion der Forschungsqualität in Deutschland”.
Was aber bewegt deutsche Spitzenkräfte dazu, dem heimischen Wissenschaftsbiotop den Rücken zu kehren? Verbesserte Karrierechancen werden genannt, die Zusammenarbeit mit herausragenden Kollegen und Expertenteams, die Exzellenz der Gastinstitution auf dem eigenen Forschungsgebiet, bessere Infrastrukturen und Fakultäten. Familiäre Gründe, höhere Entlohnung oder verbesserte Arbeitsbedingungen spielen dagegen nur eine untergeordnete Rolle. „Deutschland muss konsequent die bestehenden Stärken des Forschungssystems ausbauen und weiterentwickeln, sodass es im Spitzensegment international wettbewerbsfähige Forschungs- und Arbeitsbedingungen ermöglicht”, fordern deshalb die Experten von der Bundesregierung.
Aber vielleicht wäre schon viel gewonnen, wenn wir unserem wissenschaftlichen Nachwuchs endlich mehr zu bieten hätten als prekäre befristete Arbeitsverhältnisse, ein miserables Einkommen und einen kräftezehrenden Kampf um wenige Stellen.




