Amerikanischen Wissenschaftlern ist es gelungen, ein jahrhundertealtes Mysterium zu entschleiern: die „Wiedergeburt” der Salzwasserkrabbe Artemia. Ihre Embryos verpuppen sich und verharren so über viele Jahre, bis sie die Hülle sprengen. Bisher gelang es nicht, während dieser Phase irgendein Lebenszeichen der Krustentiere nachzuweisen. Generationen von Forschern spekulierten deshalb, daß die Baby-Krabben ihren Stoffwechsel völlig anhalten. Dies widerspräche jedoch dem Grundsatz, daß Leben auf kontinuierlichen Energieverbrauch angewiesen ist. James Clegg vom kalifornischen Bodega Marine Laboratory hat mit seinem Team nun dieses biologische Paradoxon gelöst. Er konnte einen winzigen Funken Leben in den Hüllen nachweisen. Dabei kam heraus, daß die Krabben-Embryos den langsamsten Stoffwechsel haben, der je bei einem Lebewesen festgestellt wurde. Mit Hilfe der Chemikalie Gp4G produziert Artemia ATP – das Molekül, mit dem Zellen ihre Energie beschaffen. Viel Energie ist das allerdings nicht: Clegg schätzt, daß die Krabbe pro Jahr eine zehntausendstel Kalorie für jedes Milligramm ihres Gewichtes produziert – der Grund, weshalb man bisher in der Verpuppungsphase kein Lebenszeichen des Tieres feststellte.
Hans Groth




