Tröpfchen für Tröpfchen
Wissenschaftler der African Medical Research Foundation (AMRF) sind in Kenia bei der Bekämpfung der gefährlichen Augenkrankheit Trachom einen großen Schritt weiter gekommen. Den Forschern um Mores Loolpapit gelang es, in einem Dorf des ostafrikanischen Landes die Zahl der Infizierten innerhalb weniger Jahre von 60 auf 30 Prozent zu senken. Das Trachom wird von Fliegen durch Bakterien übertragen. Die Infektion erzeugt Augenentzündungen, die unbehandelt zur völligen Erblindung führen können. Regelmäßiges Waschen des Gesichts kann die Krankheit allerdings verhindern. Das Problem gerade in den Entwicklungsländern Afrikas ist jedoch, dass es oft nur wenig sauberes Wasser gibt. Daher griffen die AMRF-Mitarbeiter zu einem ebenso einfachen wie genialen Trick: der tropfenden Dose. Dabei wird in eine Konservendose ein kleines Loch gestanzt, aus dem das Wasser langsam tropft, so dass die wertvolle Ressource sparsam genutzt werden kann. Auf diese Weise verbrauchen die Menschen wenig Wasser, wenn sie sich das Gesicht säubern. Nach seinem ersten Erfolg will Loolpapit das Projekt jetzt auf weitere Regionen ausweiten und einheimische Helfer rekrutieren, die in Workshops über das Trachom und die Vorbeugung der Krankheit unterrichtet werden.
Antibiotika helfen nicht Eine Therapie mit Antibiotika schützt nach einem Infarkt nicht vor weiteren Herzattacken. Vor gut zehn Jahren hatten Ärzte in den Blutgefäßen von Infarktpatienten so genannte Chlamydien gefunden. Sie vermuteten, dass diese Bakterien, die normalerweise Atemwegserkrankungen verursachen, auch der Auslöser von Herzinfarkten sein könnten. Geradezu euphorisch spekulierte man darüber, dass ein Herzinfarkt, wenn er nur eine Infektionskrankheit sei, mit Antibiotika therapierbar sein müsse. Zwei neue Studien widerlegen das jetzt: An der WIZARD-Studie nahmen 7724 Patienten teil, die über mehrere Wochen entweder das Makrolid-Antibiotikum Azithromycin einnahmen oder ein Placebo. Resultat: Das Medikament konnte die Zahl der Todesfälle und Infarkte nicht senken. Ähnlich ging die ANTIBIO-Studie aus, bei der knapp 900 Patienten mit dem Makrolid Roxithromycin oder einem Placebo therapiert wurden. Gegen die Chlamydien-Theorie spricht auch eine andere Untersuchung an gesunden Männern und an Infarktpatienten, die besonders viele Antikörper gegen die Erreger aufwiesen. Ergebnis: Die Antikörper im Blut zeigen zwar, dass diese Menschen eine Chlamydien-Infektion durchgemacht haben, doch sie sind kein Indiz für ein erhöhtes Infarktrisiko.
Hans Groth





