Wenn Menschen Musik hören, nehmen sie deren Rhythmus wahr und können sich im Takt dazu bewegen – sei es klatschen, tanzen, mit dem Fuß wippen oder mit dem Kopf nicken. Für dieses Rhythmusgefühl ist es erforderlich, komplexe musikalische Muster zu erkennen und vorhersagen zu können und zugleich die eigene Motorik damit zu koordinieren. Diese Fähigkeit, Bewegung mit Rhythmus zu synchronisieren, entwickelt sich schon bei Kleinkindern, gilt aber als selten im Tierreich. Denn nur bei Menschen, einigen Singvögeln und einzelnen Individuen anderer Arten wurde eine solche Isochronizität beobachtet. Das wirft die Frage auf, wie sich diese Fähigkeit im Laufe der Evolution entwickelt hat und welche Hirnstrukturen dafür nötig sind.
Der Vocal-Learning-Hypothese zufolge basiert die rhythmische Synchronisation auf spezialisierten Gehirnschaltkreisen, die Hören und Bewegung miteinander verknüpfen. Diese Schaltkreise ermöglichen komplexes stimmliches Lernen und eine melodische „Sprache“. Demnach können nur Tiere mit Sprach- oder Gesangstalent den Beat fühlen, so die gängige Annahme. Makaken gehören nicht zu diesen Stimmtalenten. Dennoch können sie darauf trainiert werden, mit der Hand auf eine Fläche zu klatschen und diese Bewegungen mit Metronomschlägen zu synchronisieren, wie frühere Studien zeigten. Wie ist das möglich?
Makaken erkennen auch den Beat von Musik
Diesem Phänomen sind nun Neurowissenschaftler um Vani Rajendran von der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko nachgegangen. Dafür führten sie Experimente mit zwei jener vortrainierten Makaken durch, die synchron zu einem Metronom klatschen können. Statt eines Metronoms spielten die Forschenden den beiden Affen jedoch echte Musik vor, die wesentlich komplexer ist als der reine Metronomtakt. Die Tiere erhielten eine Belohnung, wenn sie im Takt des jeweiligen Liedes klopften. Zum Vergleich führte das Team dasselbe Experiment mit 18 menschlichen, untrainierten Probanden durch.
Das Ergebnis: Beide Makaken begannen tatsächlich, ähnlich wie Menschen rhythmisch im Takt der Musik zu klatschen. Wenn Rajendran und ihre Kollegen das Tempo der Musik veränderten, passten die Affen ihre Bewegungen daran an und synchronisierten ihr Klatschen erneut mit der Musik. In Folgeexperimenten bewiesen die beiden Makaken dasselbe Rhythmusgefühl, selbst wenn ihnen ein unbekanntes Lied präsentiert wurde und wenn sie nicht mehr dafür belohnt wurden.
Evolution des Rhythmusgefühls komplexer als gedacht?
Diese Experimente deuten darauf hin, dass Makaken zwar zunächst eine umfangreiche musikalische Ausbildung benötigen, dann aber ebenso gut wie Menschen den Beat einer Musik wahrnehmen und sich dazu bewegen können. Demnach ist diese Fähigkeit im Tierreich weiter verbreitet als gedacht und doch nicht auf stimmlernende Arten beschränkt, wie die Forschenden erklären. Das legt wiederum nahe, dass sich die neuronalen Grundlagen für diese Kompetenz während der Evolution des Gehirns in mehreren Arten und Familien entwickelt hat.





