Antimaterie ist zwar vor allem für die Grundlagenforschung interessant, aber sie hat auch einen praktischen Nutzen. Man verwendet sie zum Beispiel zur Messung von Stoffwechselprozessen. Dafür haben Wissenschaftler und Ingenieure die Methoden SPECT (Single-Photon Emission Computed Tomography) und PET (Positronen-Emissions- Tomographie) entwickelt: Radioaktiv markierte Moleküle werden ins Blut gespritzt, wo sie viele Millionen Positronen emittieren (positiver Beta-Zerfall). Damit kann man zum Beispiel Tumore lokalisieren oder molekulare Andockstellen für chemische Botenstoffe im Nervensystem. Auch Blutfluss und Sauerstoffverbrauch im Gehirn lassen sich verfolgen. Neurowissenschaftler haben mit PET-Scans zahlreiche Hirnfunktionen und deren Wechselspiel lokalisiert.
Künftig könnte sich mit Antimaterie sogar Krebs bekämpfen lassen. Seit 2003 erforschen Wissenschaftler aus zehn verschiedenen Instituten weltweit im Antiproton Cell Experiment (ACE) am CERN die biologischen Auswirkungen von Antiprotonen. Verglichen mit Protonenstrahlen haben Antiprotonenstrahlen die vierfache Zerstörungskraft bei Tumorzellen. Das ergaben Experimente mit Kulturen von Hamsterzellen.
Die Antimaterie soll den Kern einer Tumorzelle treffen und ihn vernichten – und die weggesprengten Fetzen sollen dann auch die benachbarten Krebszellen zerstören. Wenn sich das in der Tumortherapie anwenden lässt, kämen die Patienten mit einer wesentlich geringeren Strahlendosis und weniger Kollateralschäden im gesunden Gewebe aus. Die erste große Studie wird demnächst veröffentlicht, weitere werden folgen. Mit einem klinischen Einsatz ist allerdings frühestens im nächsten Jahrzehnt zu rechnen.




