Kennen Sie den: Elf Flaschen im Keller sind relativ wenig, elf Flaschen in einer Fußballmannschaft sind relativ viel. Der Witz kursiert als Antwort auf die Frage, was es mit der Relativitätstheorie auf sich habe. Ist ein Verlag da nicht völlig übergeschnappt, wenn er einem populärwissenschaftlichen Buch zu dieser genialsten Theorie des Jahrhunderts eine mathematische Formel als Titel gibt? In diesem Fall nicht – denn die Bekanntheit von Albert Einsteins Gleichung zur Äquivalenz von Masse und Energie, E=mc2, dürfte irgendwo zwischen Michael Jackson und Coca-Cola liegen, auch wenn nur die wenigsten wissen, was die Formel überhaupt bedeutet.
Glücklicherweise verzichtet Autor Thomas Bührke, Physiker und bdw-Lesern als Wissenschaftsjournalist bekannt, in seiner Einführung fast ganz auf Formeln. Es hätte auch keinen Sinn: Die Relativitätstheorie ist mathematisch so kompliziert, daß sie keinem Laien zuzumuten ist. Statt dessen soll der Leser ein Gefühl dafür bekommen, was die Jahrhunderttheorie bedeutet und wie Einstein überhaupt darauf gekommen ist. Das macht die Sache allerdings nicht einfacher, denn verbogene Räume, langsam laufende Uhren und Zwillinge, die unterschiedlich schnell altern, reizen den gesunden Menschenverstand geradewegs zum Widerspruch.
Bührke umschifft diese Klippen mit Leichtigkeit. Die Gedankenexperimente sind so einfach und einleuchtend, daß man sich nach der Lektüre des Buches fragt, warum man eigentlich nicht selbst auf die Relativitätstheorie gekommen ist.
Thomas Bührke E=mc2 dtv München 1999 134 S., DM 14,90
Bernd Müller / Thomas Bührke




