Manche von Webers Thesen sind schwer nachzuvollziehen, etwa diese: Gefühle sollen nicht auf den Menschen mit seinem bewussten Erleben beschränkt sein, sondern werden auch von Bakterien, Pflanzen und Tieren unmittelbar durch ihre körperlichen Reaktionen ausgedrückt. Der Mensch sei jedoch das Wesen, “in dem die Gefühle der Natur eine Stimme gewinnen”. Oder: Naturschutz sei für uns vor allem aus psychischen Gründen vonnöten, denn “die Natur verkörpert, was auch wir sind: Sie ist der lebendige Spiegel unserer Emotionen und unserer geistigen Konzepte.”
Was esoterisch klingen mag, fußt durchaus auf dem Boden naturwissenschaftlicher Realität. Weber zitiert zahlreiche Forschungsergebnisse, die seiner romantischen Weltsicht Nahrung geben. Zu seinen Kronzeugen zählen der Soziobiologe Edward Osborne Wilson und der Emotionsforscher Jaak Panksepp, aber er lässt auch Dichter zu Wort kommen. Fazit: Ein überraschendes Werk, sprachmächtig und suggestiv.
Judith Rauch





