Die Fähigkeit, komplexe Werkzeuge herzustellen und zu nutzen, gilt als ein wichtiges Kennzeichen des Menschen. Doch wann begannen unsere Vorfahren, Materialien aus ihrer Umwelt nach ihren Bedürfnissen zu gestalten? Als früheste Hinweise auf die bewusste Herstellung von Werkzeugen gelten bis zu 3,3 Millionen Jahre alte Steinartefakte aus Ostafrika. Zahlreiche Hinweise haben Forschende zu der Annahme gebracht, dass unsere Vorfahren die scharfkantigen Steinsplitter absichtlich erzeugt haben: So weisen die Artefakte sehr ähnliche, sich wiederholende Bruchmuster auf und wurden gesammelt an bestimmten Stellen gefunden.
Steinklingen als Zufallsprodukt
Ein Team um Tomos Proffitt vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat nun jedoch festgestellt, dass Makaken im thailändischen Nationalpark Phang-Nga ebenfalls ähnliche Ansammlungen von Steinartefakten hinterlassen, diese jedoch offenbar unabsichtlich herstellen. Um die harten Nüsse von Ölpalmen zu knacken, haben die Affen eine Technik entwickeln, bei der sie eine Nuss auf einen steinernen Amboss legen und mit einem anderen Stein darauf schlagen. Dabei splittern die verwendeten Steine oft auf spezifische Weise. So entstehen klingenartige Werkzeuge, die allerdings von den Makaken nicht weiter verwendet werden.
„Die Tatsache, dass diese Makaken Steinwerkzeuge verwenden, um Nüsse zu verarbeiten, ist nicht überraschend, da sie auch Werkzeuge verwenden, um Zugang zu verschiedenen Schalentieren zu erhalten“, sagt Proffitt. „Interessant ist, dass sie dabei unbeabsichtigt ein umfangreiches eigenes archäologisches Zeugnis produzieren, das sich teilweise nicht von den Artefakten der Homininen unterscheiden lässt.“ Proffitt und sein Team sammelten 1.119 Steinartefakte von nüsseknackenden Makaken an 40 verschiedenen Stellen auf der thailändischen Insel Ya Noi und verglichen diese mit Fundstücken, die der Oldowan-Kultur in Tansania, Kenia und Äthiopien zugeordnet und auf ein Alter von 1,5 bis 3,3 Millionen Jahren datiert wurden.






