Afrika verbinden die meisten Menschen mit heißen Savannen, Wüsten oder üppigen Tropenwäldern. Doch im Nordosten hat der Kontinent noch ein weiteres Extrem zu bieten: Dort erheben sich gewaltige Bergformationen, zu denen auch die Bale-Berge gehören, die zwischen 3700 und 4100 Meter über den Meeresspiegel aufragen. Menschenfreundlich wirkt die öde Landschaft dieser äthiopischen Bergregion nicht gerade: Der Sauerstoffgehalt in der Luft ist gering, es kommt zu starken Temperaturschwankungen und Sturzregen. „Wegen dieser schlechten Lebensbedingungen ging man bislang davon aus, dass der afro-alpine Raum erst sehr spät vom Menschen besiedelt wurde und dies häufig nur für kurze Zeiträume“, erklärt Bruno Glaser von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Ein hochgelegener Unterschlupf
Um mehr Informationen über die Geschichte des Menschen in der Hochgebirgsregion zu gewinnen, haben Glaser und seine Kollegen Spuren an einem markanten Ort in den Bale-Berge untersucht: dem etwa 3500 Meter hoch gelegenen Felsüberhang „Fincha Habera“. Offenbar hatte er Menschen einst als Unterschlupf gedient: Die Forscher stießen bei den Ausgrabungen auf verschieden archäologische Spuren wie steinzeitliche Knochen- und Holzkohlenreste sowie scharfkantiges Steinwerkzeug aus dem Vulkanglas Obsidian. Die Wissenschaftler gewannen zudem Daten, aus denen sich die Klimageschichte des Gebiets rekonstruieren lässt.
Wie sie berichten, geht aus den Informationen und den Datierungsergebnissen hervor: Der Felsüberhang war vor 47.000 bis 31.000 Jahren wiederholt und über längere Zeit hinweg besiedelt. „Basierend auf den radiometrischen Datierungen verschiedenster archäologischer Materialien handelt es sich bei dieser Fundstelle um die früheste längerfristig genutzte Wohnstätte einer Hochgebirgsregion, die uns bisher weltweit bekannt ist“, resümiert Co-Autor Götz Ossendorf von der Universität Köln das Ergebnis der Studie.
Die Wissenschaftler fanden auch Hinweise über die damaligen Bedingungen und die Motive der Menschen, sich in dieser Region niederzulassen. „Die Bale Mountains sind wegen der Lage in den inneren Tropen heute trotz ihrer Höhe unvergletschert“, sagt Co-Autor Alexander Groos von der Universität Bern. Moränenwälle und andere glaziale Hinterlassenschaften zeugen jedoch davon, dass das äthiopische Hochland während der letzten Kaltzeit intensiv vergletschert war. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die steinzeitlichen Jäger vor etwa 40.000 Jahren unweit der Gletscher siedelten“, so Groos. Offenbar bot dies einen wichtigen Vorteil: Durch das phasenweise Abschmelzen der Gletscher wurden die Menschen mit Wasser versorgt. In niedriger gelegenen Bereichen der Region war es damals hingegen offenbar staubtrocken.





