Sie war eines der Sexsymbole des 20. Jahrhunderts – emotional, labil und süchtig nach öffentlicher Anerkennung. Er war ein ernster, in sich gekehrter, politisch denkender Intellektueller. Marilyn Monroe und Arthur Miller – gegensätzlicher kann ein Paar kaum sein. Die Ehe hielt nicht lange. Keine fünf Jahre dauerte es, dann reichten beide nach endlosen Konflikten die Scheidung ein. Kein Wunder, dachten viele, die waren einfach zu unterschiedlich. Heißt das, gleiche Charaktere passen besser zusammen?
Die meisten Menschen können Paare aus ihrem Umfeld nennen, die trotz deutlicher Unterschiede hervorragend miteinander auskommen. Die Schauspielerin Maria Furtwängler verriet in einem Interview, was ihrer Ansicht nach ihre Ehe mit dem Verleger Hubert Burda stabil macht: „Die Gegensätze zwischen mir und meinem Mann sind sicher ein Grund, warum wir so lange zusammen sind.” Sind es am Ende also doch die knisternden Differenzen, die eine Beziehung gedeihen lassen?
Mit bloßem Erfahrungswissen kommt man bei der Frage offensichtlich nicht weiter. Deshalb haben sich Psychologen und Verhaltensforscher der Sache angenommen – mit dem Ergebnis: Es kommt darauf an, worin genau sich Paare ähneln oder unterscheiden. Beatrice Rammstedt, Privatdozentin am Mannheimer Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, hat untersucht, wie groß die Ähnlichkeiten langjähriger Paare sind und ob sie mit der Zeit eher wachsen oder schrumpfen. Sie durchforstete Daten des Sozioökonomischen Panels (SOEP), einer jährlich wiederkehrenden Befragung von rund 12 000 deutschen Haushalten. Vom Monatseinkommen bis zur seelischen Befindlichkeit geben die Befragten dabei Auskunft über ihr Leben.
VERTRÄGLICH, OFFEN, Gewissenhaft
Rammstedt zog die Persönlichkeitsmerkmale von rund 7000 Paaren heran. Sie interessierte sich für Ähnlichkeiten bei den sogenannten Big Five, den fünf Hauptmerkmalen einer Persönlichkeit: Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Offenheit, Extraversion und emotionale Stabilität. Irgendwo zwischen diesen Koordinaten lässt sich jeder Mensch einordnen. Rammstedt fand heraus: Die Paare zeigten deutliche Übereinstimmungen bei den Merkmalen Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Offenheit. Je länger sie zusammen waren, also je stabiler die Beziehung war, desto deutlicher waren die Parallelen. „Partnerschaften funktionieren vor allem dann, wenn sich die Beteiligten in diesen drei Dimensionen ähneln”, folgerte die Psychologin.
Gewissenhafte Personen zum Beispiel sind ordentlich, pünktlich und leistungsstrebend. Lässt deren bessere Hälfte die schmutzigen Socken herumliegen, kommt sie notorisch zu spät oder hat kein Verständnis für die beruflichen Ambitionen des anderen, sind Konflikte an der Tagesordnung. Personen, die offen für neue Erfahrungen sind, erkunden gerne unbekannte Länder, kochen exotische Gerichte und besuchen Museen und Kulturveranstaltungen. Verbringt der Partner dagegen seinen Urlaub lieber immer am gleichen Ort und braucht – egal, in welchem Land er ist – immer sein Schnitzel, birgt das Zündstoff. Ein gewissenhafter Typ wird mit einem skrupellosen selten glücklich, ein Altruist nicht mit einem Egoisten. „Bei großen Unterschieden in Sachen Ordnungssinn, Pünktlichkeit, Strukturiertheit und Offenheit für Neues besteht anscheinend enormes Konfliktpotenzial”, schließt Rammstedt. Und: Je mehr Konflikte, umso instabiler die Beziehung. Am Ende „ überleben” also vor allem Partnerschaften, denen solche Konflikte nicht den Alltag verhageln. Das erklärt, warum man oft beobachtet, dass Ähnlichkeiten von Partnern mit der Dauer der Verbindung zunehmen: Unähnliche Partner gehen einfach früher auseinander.
Die Psychologin vermutet, dass diese Ähnlichkeiten von Anfang an da sind und nicht erst im Laufe einer Beziehung entstehen. Dementsprechend ist für die Partnersuche eher die Strategie „ Gleich und gleich gesellt sich gern” erfolgreich, und nicht „ Gegensätze ziehen sich an”. So faszinierend, prickelnd und attraktiv Gegensätze auch sein mögen – für eine stabile Beziehung taugen sie offenbar meist nicht. Diesem Prinzip scheinen balzende Singles unbewusst zu folgen, wie eine Studie der Cornell University in Ithaca, New York, zeigte. Die Verhaltensforscher Stephen Emlen und Peter Buston befragten vor einigen Jahren rund 1000 Studenten nach ihren Eigenschaften und denen ihres Idealpartners. Und siehe da: Beide stimmten erstaunlich oft überein, woraus die Forscher schlossen, dass man ein Gegenüber sucht, das möglichst viele Merkmale und Einstellungen mit einem teilt. Genau diesen Dienst versuchen moderne Partneragenturen im Internet ihren Kunden mit dem „Matching” zu erweisen. „Wir folgen dem Grundsatz: So viel Gleichheit wie möglich und so viel Unterschied wie nötig. Damit ist sichergestellt, dass sowohl die individuelle Weiterentwicklung als auch die gemeinsame als Paar möglich ist”, sagt Reingard Kess, Psychologin bei der Online-Partneragentur Parship. Die Persönlichkeit der suchenden Singles wird dort in 32 Eigenschaften erfasst. Auf dieser Grundlage erhält man Partnervorschläge.
Konkurrenz um Aufmerksamkeit
Haben die Heterogenen also zwangsläufig das Nachsehen? Was ist mit den gegensätzlichen Furtwängler-Burda-Paaren, die allen Unterschieden zum Trotz zusammenleben? Auch für dieses Rätsel haben die Wissenschaftler eine Lösung. Nimmt man die Gegensätze unter die Lupe, zeigt sich: Unterschied ist nicht gleich Unterschied. Gegensatz-Paare können glücklich miteinander alt werden – allerdings nur, wenn sich ihre Unterschiede im Wesentlichen auf die zwei verbleibenden Eigenschaften der Big Five beschränken: Extraversion und emotionale Stabilität.
Extravertierte Menschen sind gesellig, hören sich gerne reden und lieben es, im Mittelpunkt zu stehen. Sind nun beide Partner vom Typ „Partylöwe”, hört keiner mehr zu, und es entwickelt sich eine Konkurrenz um die Aufmerksamkeit anderer. Da passt ein introvertierter Partner besser, der sich auch im Schatten des anderen wohlfühlt. So wird der Gegensatz zur idealen Ergänzung. Bringt ein Partner ein besonders starkes Durchsetzungsvermögen mit, ist es sinnvoll, wenn dies beim anderen weniger ausgeprägt ist, er hingegen mehr Ausgleichsbereitschaft hat. Emotional instabile Menschen wiederum brauchen einen stabilen Partner an ihrer Seite, dann funktioniert die Beziehung auch in schwierigen Phasen. Brüchig ist die Partnerschaft dagegen, wenn zwei Instabile sich krampfhaft aneinander festhalten. Und Kess gibt zu bedenken: „Zu viel Gleichheit birgt auch die Gefahr von Stillstand. Wenn Menschen in Partnerschaften zu ähnlich sind, kann es langweilig werden.” Auch der Philosoph Theodor W. Adorno schätzte die Gegensätze. Er stellte fest: „Liebe ist die Fähigkeit, Ähnliches an Unähnlichem wahrzunehmen.” ■
Die Wissenschaftsjournalistin EVA TENZER ist seit 14 Jahren mit einem Mann verheiratet, der ihr ähnlich ist – und doch auch anders.
von Eva Tenzer
Ähnliche Partner – vitalerER Nachwuchs
Biologen der University of Exeter tragen mit einer Untersuchung ein weiteres Mosaiksteinchen zum Bild einer erfolgreichen Partnerschaft bei. Sie fanden heraus, dass der Nachwuchs von Zebrafinken besser gedeiht, wenn Vater und Mutter ähnliche Charaktere haben. Je mehr sich die Eltern bei Neugier und Aggressivität ähneln, umso gesünder wachsen ihre Jungen heran. Die Forscher vermuten, dass einander ähnliche Paare bei der Brutpflege besser als Team zusammenarbeiten. Wie bei den Menschen scheint es bei der Nest- und Brutpflege zu weniger Reibungsverlusten zu kommen, sind die Unterschiede gering.
Der gefiederte Nachwuchs dankt es mit mehr Vitalität. Gewicht und Fitness entscheiden auf Dauer wesentlich über den Fortpflanzungserfolg. Die Ähnlichkeit von Paaren kann also auch in der Tierwelt ein wichtiger Beziehungsfaktor sein – evolutionsbiologisch betrachtet ist das höchst sinnvoll.
KOMPAKT
· Sind zwei Partner gleichermaßen gewissenhaft und offen für Neues, hält ihre Beziehung länger.
· Doch bestimmte Unterschiede fördern auch die Entwicklung des Einzelnen.
LESEN
Helen Fisher Warum es funkt – und wenn ja, bei wem Wie die Persönlichkeit unsere Partnerwahl beeinflusst Knaur, München 2011, € 8,99
Wolfgang Hantel-Quitmann Geheimplan der Liebe Zur Psychologie der Partnerwahl Herder, Freiburg 2009, € 9,95
Wiebke Schuett Pairs of zebra finches with similar „ personalities” make better parents Animal Behaviour, 81(3)/2011, S. 609–618
Beatrice Rammstedt The measurement equivalence of Big Five factor markers for persons with different levels of education Journal of Research in Personality, 44(1)/2010, S. 53–61
Beatrice Rammstedt, Jürgen Schupp Only the congruent survive Personality similarities in couples Personality and Individual Differences, 45(6)/2008, S. 533–535





