Die Aussage auf der folgenden Seite ist wahr!, steht in einem Buch. Gespannt blättert man um… und liest dort: “Die Behauptung auf der vorhergehenden Seite ist falsch.” Das Problem, das Martin Cohen…
Die Aussage auf der folgenden Seite ist wahr!, steht in einem Buch. Gespannt blättert man um… und liest dort: “Die Behauptung auf der vorhergehenden Seite ist falsch.” Das Problem, das Martin Cohen damit illustriert, kleidet er in ein einziges Fragewörtchen: “Oder?”
Dieses Paradox ist das kürzeste der “99 philosophischen Rätsel”, die Cohen Herausgeber der Zeitschrift The Philosopher und Philosophielehrer am College of St. Mark and St. John der Universität Plymouth zusammengestellt hat. Sie alle sind zwar leicht verständlich und unterhaltsam dargestellt meistens in Form kurzer Geschichten , führen aber in vertrackte oder sogar abgründige Fragestellungen der Ethik, Erkenntnistheorie, Logik, Religion, Natur- und Lebensphilosophie. Je nach den Voraussetzungen gibt es keine oder ganz unterschiedliche Antworten.
Knapp die Hälfte des Buches besteht aus “Erörterungen” nicht Lösungen! der Fragen. Der Tonfall dabei ist mitunter respektlos, ja frech, was zwar eine Plauderatmosphäre erzeugt, aber oft aufgesetzt wirkt zumal Cohen beansprucht “die ganze Schatztruhe philosophischen Denkens auszubreiten”. Zum Schluss gibt es noch einen 30-seitigen “Glossar” mit kurzen Informationen zu bekannten Philosophen und wichtigen Begriffen.
“Der Zweck der Philosophie ist die logische Klärung der Gedanken. Die Philosophie ist keine Lehre, sondern eine Tätigkeit”, meinte Ludwig Wittgenstein. Deshalb kann jeder philosophieren. So gesehen, ist Cohens Sammlung eine geradezu ideale Ein- und Verführung in die Philosophie. Im englischen Original heißt sie übrigens “101 Philosophy Problems”. Aber die “99” gefiel dem deutschen Verlag wohl besser was im Buch freilich nicht überall korrigiert wurde.
Rüdiger Vaas





