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Startseite/Archäologie/Artikel
Wohngemeinschaft mit Göttern
Archäologie

Wohngemeinschaft mit Göttern

Archäologen arbeiten mit Schaufel, Pinzette und Pinsel, um die kulturelle Entwicklung der Menschheit zu erforschen. Man kann es aber auch eleganter formulieren: „Archäologie ist der Blick auf uns selbst aus der Distanz der Zeit.“
Autor
Barbara Ritzert
18. Januar 2026
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Archäologie
Cover Pompejis letzter Sommer von Gabriel Zuchtriegel

Und genau so schreibt Gabriel Zuchtriegel, Direktor des Archäologischen Parks Pompeji und Bestseller-Autor. Er nimmt die Lesenden an die Hand, führt sie durch Gassen und Häuser von Pompeji und lässt sie mit packender Sprachkunst teilhaben am Leben der Bewohner der Stadt. Diese ahnten im Sommer des Jahres 79 nichts von der nahenden Katastrophe, damals, „als die Götter die Welt verließen“. Und darum geht es eigentlich in diesem Buch: es ist eine großartig geschriebene Geschichte über Menschen und Religionen.

Die Reise beginnt im Rotlichtbezirk von Pompeji, in Schenken und Bordellen. Die Wandbilder sind Sittengemälde jener Zeit. Zuchtriegel beschreibt indes die oft wichtigeren unscheinbaren Graffiti an den Hauswänden – und warnt Leser vor der obszönen Sprache. „Sodom und Gomorra“ ist nicht grundlos in eine Hauswand eingeritzt.

Der Umgang der Menschen miteinander war hart. Arme und Unfreie, der Großteil der Bevölkerung, hatten kein gutes Leben. „Und so kam es, dass eine revolutionäre Lehre, die alle Werte der bestehenden Ordnung auf den Kopf stellte, offene Ohren fand“, erklärt Zuchtriegel. Und dann steigt er ganz tief ein in die Entstehungsgeschichte der Religionen, in das Kommen, Gehen und die Verwandlung von Göttinnen und Göttern, in Opferkulte und Rituale. Das damals selbstverständliche Zusammenleben der Menschen mit göttlichen Wesen, die ebenfalls die Erde bevölkerten, beschreibt er als „Wohngemeinschaft“. Und spätestens jetzt wird das Buch zum süchtig machenden „Pageturner“. Bei der Lektüre wünscht man sich, dass die letzte Seite nicht so bald kommt. Und dann – oh Schreck – ist nach einem Umblättern klar: Das war gerade die letzte Seite. Davon ausgehend, dass die nachfolgenden Quellenangaben bezüglich ihrer literarischen Qualität abfallen, gibt es nur eine Lösung: die Rezensentin beginnt einfach nochmal von vorn, still vergnügt schmökernd und hoffend auf das nächste Buch des Autors. Barbara Ritzert

Gabriel Zuchtriegel
Pompejis letzter Sommer – Als die Götter die Welt verließen
Propyläen Verlag, 320 S., € 33,–
ISBN 978-3-549-11000-3

ArchäologiePompejiRömisches ReichVesuv

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