Der Islam ist nicht reformfeindlich und unaufgeklärt, sagt Professor Reinhard Schulze in einem Gespräch mit dem Geschichtsblatt “DAMALS”. Das gesamte Interview ist in der aktuellen Ausgabe 3/02 mit dem Titelthema Islam nachzulesen. Hier im Wortlaut einige zentrale Thesen des Orientexperten.
Monotheistische bzw. Offenbarungs-Religionen haben immer ein gewisses Gewaltelement. Menschen können sich dessen bedienen, um Gewalt zu legitimieren.
“Geht man die Geschichte durch, stellt man fest, dass ein großer Vorrang dem tasamuh ? das heißt so viel wie Gewähren lassen ? zugewiesen wurde, gegenüber wirklich gewalttätigen Auseinandersetzungen war man zurückhaltend.
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Zudem: Gewähren lassen ist ein großes ethisches Ideal in der islamischen Tradition, wobei es immer reziprok verstanden wird: Ich lasse dich gewähren, wenn du mich gewähren lässt. Einen normativen Anspruch, dass man für den Islam Krieg führen müsse, gibt es nicht.”
“Ich glaube, was wir im Augenblick in der islamischen Welt erleben, ist nur das, was wir selbst auch erleben oder noch erleben werden. Es handelt sich nicht um eine Spezifität der islamischen Welt, sondern ist ein Spiegel, der uns vorgehalten wird im Hinblick auf mögliche Konflikte, über deren Ausmaß wir uns noch gar keine Vorstellungen machen können.”
Anke Biester





