Es hätte das tiefste Loch werden sollen, das je in den Meeresboden gebohrt wurde – vor der japanischen Küste. Doch dann kam im März 2011 der Tsunami, und das deutsch-japanische Projekt musste um ein Jahr verschoben werden. 2,25 Kilometer tief wollen die Forscher um den Bremer Biogeochemiker Kai-Uwe Hinrichs bohren. In der extremen Umgebung mit hohem Druck und einer Temperatur von mehr als 60 Grad Celsius, ohne Licht und Sauerstoff wollen sie Leben entdecken und erforschen. Ihre Chancen stehen gut, ist Hinrichs überzeugt: „Wir haben 1,9 Kilometer unter dem Meeresboden einzellige Organismen – Bakterien und Archaeen – aufgespürt. Nach Schätzungen ruhen in den Sedimenten unter dem Meer 10 bis 30 Prozent der weltweiten Biomasse.” Um die 10 Millionen Zellen pro Quadratzentimeter Sediment entdeckten die Forscher 1000 Meter tief im Meeresboden. Das ist zwar nur ein Hundertstel der Menge direkt unter dem Meeresgrund, aber da die Sedimente weltweit ein gigantisches Volumen haben, gibt es dort wohl auch riesige Mengen an Lebewesen. „Diese Einzeller ernähren sich von den Resten urzeitlichen Lebens, schwer verdaulichen braunkohleartigen Substanzen, und sie vermehren sich extrem langsam”, sagt Hinrichs. „Alles deutet darauf hin, dass es mehrere Tausend Jahre dauert, bis sich eine Population komplett geteilt hat.” Da sich diese Prozesse schlecht direkt beobachten lassen, schufen Hinrichs und sein Team eine indirekte Nachweismethode für unbekanntes Leben: Sie detektieren Stoffwechselprodukte der Einzeller.





