Diese Woche hat eine Vortragsankündigung die Medizin aufgeschreckt: Mitte Oktober wollen US-amerikanische Ärzte auf einem Fachkongress den ersten Eingriff in die Keimbahn eines Menschen erläutern. Bisher gibt es nur die knappe Ankündigung und einen Bericht des britischen Magazins “New Scientist”. Das ist ungewöhnlich wenig für die Ankündigung einer wissenschaftlichen Sensation. Der “Tagesspiegel” fasst zusammen, was man bisher weiß: Im April ist in Mexiko ein Junge zur Welt gekommen, der die DNA von zwei Müttern und einem Vater in sich trägt. Seine Eltern versuchen schon seit vielen Jahren, eine Familie zu gründen. Zwei ihrer Kinder haben sie bereits an das Leigh-Syndrom verloren, eine Erbkrankheit. Die fehlerhafte DNA steckt in diesem Fall nicht im Zellkern, sondern in den Zellkraftwerken, den Mitochondrien. Diesen kleinen Anteil des Erbguts haben die Ärzte von einer Eizellspenderin übernommen und dann eine künstliche Befruchtung eingeleitet. “Der kleine Junge ist also tatsächlich ein Mensch, wie es nie zuvor einen gegeben hat”, heißt es in einem Kommentar der “Zeit”. Das könne man akzeptieren, da er die DNA aus seinen Mitochondrien nicht an seine Kinder vererben werde – denn das geschieht über die Eizelle der Mutter.
Warum Windräder trotz Wind stillstehen
Das “Hamburger Abendblatt” ist der Frage nachgegangen, warum Windräder so oft stillstehen, obwohl der Wind weht. Das liegt zum einem am nicht ausgebauten Stromnetz, das manchmal überlastet ist und geschont werden muss. Es liegt aber auch daran, dass mancher Energieversorger lieber Windräder abschaltet als ein großes Kohlekraftwerk mühsam herunterzufahren. Der “Medien-Doktor Umwelt” hat den Beitrag mit fünf von fünf möglichen Sternen bewertet – ein seltenes Lob der Gutachter. Der Artikel ist auf der Seite des Abendblatts kostenpflichtig. Man findet ihn auch für wenig Geld beim digitalen Kiosk Blendle in der Abendblatt-Ausgabe vom 22. August.
Streit ums Anthropozän
Unter Geologen wird seit einiger Zeit diskutiert, ob der Mensch die Erde inzwischen so stark verändert hat, dass man von einer neuen Erdepoche sprechen muss: dem Anthropozän. Später wird man unsere Zeit im Erdboden gut erkennen können: beispielsweise anhand des radioaktiven Fallouts der vielen Atomtests im 20. Jahrhundert. Doch genügt das als wissenschaftliche Definition einer Erdepoche? Oder handelt es sich eher um einen politischen Begriff in der Debatte um Nachhaltigkeit? In einem Überblick auf “Spiegel Online” werden diese Fragen eher skeptisch beantwortet: “Warum also wird das Zeitalter nicht einfach beschlossen? Die Antwort scheint so einfach wie drastisch zu sein: Weil die Ausrufung des Anthropozäns schlechte Wissenschaft wäre”, heißt es dort. Eine optimistischere Darstellung findet sich in diesem älteren (kostenpflichtigen) Artikel der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”.





