Wer über einen anderen spottet, „Der hat einen IQ von unter 70!”, charakterisiert jemanden als dumm und meint damit, der hätte „nichts im Kopf”. Intelligenz setzen wir gewöhnlich mit einem wachen, gut ausgebildeten Gehirn gleich. Doch inzwischen mehren sich wissenschaftliche Erkenntnisse, dass Intelligenz nicht nur im Kopf beheimatet ist. Der von bdw-Redakteurin Judith Rauch für diese Ausgabe in seinem Züricher Arbeitsumfeld porträtierte Professor für Künstliche Intelligenz (KI) Rolf Pfeifer erklärt dazu: „Auch bei Kreaturen, die ein Gehirn haben, ist die Intelligenz verteilt. Sie steckt nicht nur im Gehirn, sondern auch im Bewegungsapparat.”
Judith Rauch beschäftigt sich – wie sie selbst sagt – „ mindestens seit 2003 mit der Wende zur verkörperten Intelligenz in der KI-Forschung”. Deshalb fiel ihr ein Buch von Pfeifer auf, das 2007 in englischer Sprache erschienen ist und darstellt, wie der Körper das Denken prägt. Die Lektüre war Anstoß für die Redakteurin, sich über eine bdw-Titelgeschichte zur Intelligenz des Körpers Gedanken zu machen. 2010 besuchte Rauch den europäischen Wissenschaftskongress ESOF in Turin. Dort nahm sie teil am Workshop „How much can robots learn?” und begeisterte sich dabei für die Arbeit des Genueser Labors um Giulio Sandini. Die Forscher dort wollte sie unbedingt in die Titelgeschichte einbeziehen.
Doch unsere in Italien lebenden Wissenschaftsreporter waren beschäftigt, konnten den von uns gesetzten Termin nicht einhalten und sagten ab, weshalb Tanja Krämer aus dem fernen Bremen nach Genua reiste. Auf den Seiten 22 bis 29 sehen Sie das Ergebnis. Krämer (32) ist eine seltene Doppelbegabung im Wissenschaftsjournalimus. Sie berichtet einfühlsam, präzise und stilsicher. Und sie macht hervorragende Fotos.
Rauchs Recherche-Reisen ist auch der dritte Teil unseres Titels zu verdanken. Beim Weltgesundheitsgipfel 2009 in Berlin traf sie auf den studierten Feinwerktechniker Georg Duda, der als Professor an der Charité untersucht, wie sich Physik und Biologie im Körper gegenseitig stimulieren.
Oft werde ich gefragt, wie wir auf unsere Berichte kommen. Da gibt es viele Wege. Nicht selten sind sie lang und verschlungen – wie unsere aktuelle Titelgeschichte zeigt. In einer Dekade, in der Journalisten immer weniger Zeit gewährt wird, sich umfassend und ausführlich zu informieren, ehe sie die Computertastatur bemühen, produzieren wir Ergebnisse abseits vom Mainstream. Und genau das ist es, was viele Leser an bild der wissenschaft schätzen.
Abschließend noch eine Warnung: Diese Ausgabe enthält – wie die April-Ausgaben in den Jahren zuvor – in unserem Nachrichtenteil einen gut verpackten Aprilscherz. Dieser Brauch hat eine große Fan-Gemeinde. Seien Sie also auf der Hut und lesen Sie in diesem Monat die Artikel auf den Seiten 6 bis 13 mit wachem Gehirn!





