Wie sind die verschiedenen Galaxien entstanden? Wie hat sich das Universum vom Urknall bis heute entwickelt? Solchen Fragen geht der Physiker Volker Springel (35) am Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching bei München auf den Grund. Seine Untersuchungen zur Strukturentwicklung im Universum, zur Verteilung der Dunklen Materie in Galaxien und Galaxienhaufen sowie zur Regulierung der Sternentstehung gelten als wichtige Ergebnisse der kosmologischen Forschung. Er erhielt bereits zahlreiche Preise – unter anderem den Heinz-Maier-Leibniz-Preis der DFG und die Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft. Springel zeigte etwa, dass superschwere schwarze Löcher während der Verschmelzung von Galaxien als helle Quasare aufleuchten und dabei rasch größer werden. In diesem Prozess wird Energie freigesetzt, die große Mengen Gas aus der durch die Verschmelzung entstehenden elliptischen Galaxie schleudert. Die Folge: Die Entstehung neuer junger Sterne bricht abrupt ab. Stattdessen wächst ein zentrales Schwarzes Loch in der neu gebildeten Galaxie heran. Das von Springel entwickelte Simulationsprogramm GADGET, das die Galaxienentstehung simuliert, hat sich schnell zum internationalen Standard entwickelt. Im vergangenen Jahr ist dem Physiker mit seinen Mitarbeitern die bisher größte Simulation des Universums gelungen – sie umfasste 10 Milliarden Simulationsteilchen und verfolgte die Entstehung von rund 20 Millionen Galaxien. Dieses Mammutprojekt prangte sogar auf dem „ Nature”-Titelblatt.
Sind Sie auch privat ein Entdeckertyp?
Mein Privatleben ist aus Zeitgründen mit weniger interessanten Dingen gefüllt, als ich mir das wünschen würde. Dauernd kommen E-Mails – am Wochenende und auf Reisen. Die Leute erwarten, dass man immer und überall erreichbar ist. Meine Frau ist oft wenig begeistert, wenn ich nach dem Kino in die Mails schaue und spontan noch zwei Stunden arbeite. Ich fahre gerne Ski, vor allem abseits der Pisten, auf denen der Schnee noch unberührt ist. Das ist schon vergleichbar mit der Wissenschaft, wo man Wege gehen kann, die noch keine ausgetrampelten Pfade sind.
Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Ich habe selten nach Hilfe gefragt und meist versucht, alles selber zu lösen. Wem das gelingt, der hat so viel gelernt, dass er an vorderster Front etwas bewirken kann. Die Einstellung „ Selbst ist der Mann” halte ich deshalb für extrem wichtig – sie hat mir zum Beispiel geholfen, das Simulationsprogramm Gadget zu schreiben.
Welche Rolle spielt der Glauben für Sie?
Ich bin weder ein sehr gläubiger Mensch noch ein überzeugter Atheist. Ich habe eher ein nüchternes Weltbild – was bei Naturwissenschaftlern fast zwangsläufig so ist. Man kann als Physiker die Bibel nicht wörtlich auslegen. Einstein hat mal gesagt: „Was mich wirklich interessiert, ist, ob Gott bei der Erschaffung der Welt überhaupt eine andere Wahl gehabt hat.” Das ist für mich eine Kernfrage der Kosmologie: War die Entwicklung unseres Universums zwangsläufig, oder gab es andere Möglichkeiten?
Was sind Ihre Stärken?
Ich kann recht hartnäckig sein, gebe bei Problemen generell nicht so schnell auf und bin meistens relativ geduldig mit anderen Leuten. Mitunter gelingt es mir ganz gut, auch unanschaulichen „Datensalat” visuell ansprechend und verständlich darzustellen – was sehr wichtig ist, damit interessante Ideen und Ergebnisse von anderen auch wahrgenommen werden.
Haben Sie Marotten?
Eine lange Liste… ich bin ein wenig der Typ „zerstreuter Professor”. Außerdem schiebe ich Sachen, auf die ich keine Lust habe, gerne auf. Wenn das Auto zum TÜV muss, warte ich damit bis zur letzten Minute.





