Seit 40 Jahren beschweren sich manche über Mini-Jet-Lags, berichten über Kinder oder Haustiere, die in der Zeit nach der Umstellung Probleme mit der Anpassung an die neue Situation haben. Bei manchen ist es auch einfach nur nicht näher spezifiziertes Querulantentum. Manche Ablehnungsgründe sind wissenschaftlich belegt, manche nicht. Was aber bei den halbjährlich stattfindenden Diskussionen meist vernachlässigt wird, ist die astronomische Realität.
Der englische Begriff „Daylight Saving Time“ bringt ein wenig Licht in die Sache. Auf der Erde ist es tagsüber hell und nachts dunkel. Und obwohl diese Beobachtung vermutlich nicht den diesjährigen Physik-Nobelpreis gewinnen wird – ohne sie gäbe es die Debatte nicht. Das Problem ist die Veränderung. Klingt ein wenig nach dem Slogan einer rechtspopulistischen Partei. Aber dahinter steckt nackte Physik: Die Rotationsachse der Erde steht nicht ganz exakt senkrecht zur Ebene, in der sich unser Planet um die Sonne bewegt. Was (im Fall des auf der Nordhalbkugel gelegenen Europa) dazu führt, dass die Nächte im Winter lang und die hellen Tage kurz sind. Im Sommer ist es umgekehrt, und wir haben nur zwei Tage im Jahr, an denen es genau so lang hell wie finster ist: Frühlings- und Herbstanfang, die deswegen und wenig originell in der Astronomie „Tag-und-Nacht-Gleiche“ genannt werden.
Tendenziell haben wir Menschen es gerne hell, und die Sommerzeit ist ein Versuch, möglichst viel vom Tageslicht zur Verfügung zu haben. Beziehungsweise haben wir davon immer exakt so viel, wie uns die astronomischen Gegebenheiten zugestehen. Wo die Zeiger unserer Uhren dabei stehen, ist den Himmelskörpern egal. Das galt früher auch für die Menschen. Sie sind bei Sonnenaufgang aufgestanden, und wenn das Licht weg war, ins Bett gegangen.
Keine himmelsmechanischen Ausreden!
Heute richten wir uns nach der menschengemachten Uhrzeit. wenn wir um acht im Büro sein müssen, müssen wir um acht im Büro sein, und können uns nicht mit irgendwelchen himmelsmechanischen Abläufen und der Neigung der Erdachse herausreden. Zumindest nicht, wenn wir langfristig den Job behalten wollen.
Wir könnten die Sommerzeit einfach abschaffen und das ganze Jahr über die „Normalzeit“ verwenden. Im Winter und im Frühjahr änderte sich nichts. Im Sommer könnte es aber ein wenig nervig werden. Dann könnte die Sonne bereits „mitten in der Nacht“ aufgehen, irgendwann gegen vier Uhr morgens (beziehungsweise auch ein wenig früher oder später, je nach geografischer Position).
Was die meisten vermutlich trotzdem nicht dazu animieren würde, fröhlich das Bett zu verlassen. Die Helligkeit, die wir morgens im Bett verschlafen, fehlt uns natürlich am Abend, wenn nach der Arbeit im Freibad der Badeschluss früher ausgerufen wird. Deswegen „Daylight Saving Time“.





