Amerikanische City heizen sich im Sommer immer mehr auf. Neue Farben sollen nun das Fieber der Großstädte senken.
Summer in the city – die meisten amerikanischen Großstadtbewohner kommen zu dieser Jahreszeit ganz schön ins Schwitzen. Denn mit dem Anstieg der Quecksilbersäule nehmen nicht nur Temperaturen schweißtreibende Dimensionen an, sondern auch die Ozonkonzentration und die Energiekosten für Klimaanlagen steigen immens. „Die Probleme werden von Jahr zu Jahr erdrückender”, sagt Hashem Akbari, Energieexperte am Lawrence Berkeley Laboratory in Kalifornien. „Amerikas Großstädte mutieren immer stärker zu Heat-Islands (Hitze-Inseln). Ihr „Sommerfieber” stieg in den letzten 50 Jahren kontinuierlich um 0,6 Grad Celcius pro Dekade. Schuld sei die zunehmende Urbanisation. So bestand Los Angeles in den dreißiger Jahren aus Obst-Plantagen und war während der Sommermonate selten wärmer als 36 Grad Celcius. Heute ist die Drei-Millionen-Stadt eine Asphalt-Wüste, deren Bewohner an typischen Augustnachmittagen 42 Grad Celcius aushalten müssen. „Das ist für viele Menschen zu viel”, meint Akbari. „Pro Jahr sterben in den USA bis zu 700 Großstädter an den Folgen der hohen Temperaturen.” Akbari will nun mit seinem Team den Städten fiebersenkende Mittel verschreiben – durch die Entwicklung neuer Baumaterialien sowie durch Stadtanalysen, die Behörden und Politiker zum Handeln zwingen sollen: Die Forscher werteten mehrere tausend Luftaufnahmen von Amerikas Problemstädten aus, ermittelten Größe und Qualität der bebauten Flächen und erstellten Energie- und Umweltbilanzen. Fazit: „Das Schwarz muß aus den Städten verschwinden”, meint Akbari. Seine Alternative: helle, reflektierende Straßenbeläge und Dächer. Statt pechschwarzem Asphalt, der nur zehn Prozent des Sonnenlichtes reflektiert und sich daher bis zu 50 Grad Celcius aufheizt, favorisieren die Forscher Fahrbeläge mit beige-grauen Granit-Aggregaten. „Damit erhöht sich die Reflektivität auf bis zu 30 Prozent”, fand Akbari heraus. Noch heller und somit kühler geht es mit einem schneeweißen Belag, der über den konventionellen Asphalt gegossen wird. Das grelle Weiß stammt aus den Pigmenten Titandioxid und Zinkoxid und schafft eine Reflektivität von 50 Prozent. Damit würden die Straßen während der heißen Jahreszeit nur 30 Grad Celcius warm. Doch das Weiß hat (noch) seinen Preis: Mit sechs Dollar pro Quadratmeter ist es mehr als doppelt so teuer wie herkömmlicher schwarzer Asphalt. Kühler und trotzdem erschwinglich sind die vom Berkeley-Team entwickelten weißen Schindeln. Sie enthalten Metalloxide, die fast zwei Drittel des Sonnenlichtes reflektieren. Mit wenigen Cent pro Quadratmeter sind sie nur geringfügig teurer als die beliebten rotbraunen Schindeln. „In einem Haus mit dunklem Dach ist es im Sommer bis zu zehn Grad heißer als im gleichen Haus mit hellem Dach”, vergleicht Akbari. Das hat erhebliche Konsequenzen: Eine Stadt wie Phoenix könnte pro Jahr 37 Millionen Dollar an Kosten für Klimaanlagen sparen, wären alle Häuser mit besser reflektierenden Dächern ausgestattet. Sogar das nördlicher gelegene New York hätte eine Ersparnis von 16 Millionen Dollar. Doch nicht nur weiß macht weniger heiß, sondern auch grün. „Bäume spenden Schatten und evapotranspirieren”, sagt Akbari. Richtig plaziert kann das grüne Naturmaterial die Kühlkosten eines Gebäudes um bis zu 30 Prozent senken. Heat-Islands heißen Amerikas immer heißer werdende Großstädte. Die „Hitze-Inseln” sind im Sommer um durchschnittlich vier Grad Celcius wärmer als das ländliche Umfeld. Besonders heiß wird es in den südlich gelegenen „Sun-Belt-Cities”, den Städten des Sonnengürtels: Miami, Atlanta, Dallas, Houston, San Antonio, Phoenix und Los Angeles. Ihre Bewohner schwitzen in den Sommermonaten täglich bei rund 40 Grad Celcius. Schwarz Die Farbe ist für Großstädte ein heißes Problem. Dunkle Baustoffe auf Dächern und Asphaltflächen absorbieren das Sonnenlicht so stark, daß sie zum Teil bis zu 30 Grad Celcius wärmer sind als die Lufttemperatur. Die flirrenden Flächen geben ihre Hitze an die umgebende Luft weiter und heizen so die Städte auf. Evapotranspirieren Bäume scheiden über ihre Blätter Wasser aus, das beim Verdunsten Wärme aufnimmt und so die umgebende Luft kühlt. Ein ausgewachsener, gut gewässerter Baum mit einer Krone von 10 Meter Durchmesser kann gut 140 Liter am Tag „evapotranspirieren”.
Désirée Karge





