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Was hilft gegen chronische Rückenschmerzen?
Gesundheit & Medizin

Was hilft gegen chronische Rückenschmerzen?

Millionen Menschen leiden unter chronischen Rückenschmerzen. Aber was hilft dagegen? · Foto: © peterschreiber.media/ iStock

Eine Metastudie zeigt: Viele Therapien gegen chronische Rückenschmerzen können die Symptome zwar kurzfristig lindern. Aber sie helfen meist nur bis zum Ende der Behandlung – maximal ein Vierteljahr. Keine einzige untersuchte Therapie zeigte dagegen eine relevante langfristige Wirkung – egal ob Massage, Krankengymnastik, Akupunktur, Medikamente oder eine multimodale Schmerztherapie. Was aber heißt das für Betroffene?
Autor
Nadja Podbregar
03. Juli 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Gesundheit & Medizin

Chronische Rückenschmerzen sind längst eine Volkskrankheit: Mehr als eine halbe Milliarde Menschen weltweit leiden darunter – einige nur manchmal, andere ständig. Das Problem: Wenn der Schmerz chronisch wird, sorgt das Schmerzgedächtnis von Nerven und Gehirn dafür, dass die Schmerzen auch dann anhalten, wenn die ursprüngliche Ursache längst behoben ist. Entsprechend schwierig ist die Therapie.

Wie lange helfen die gängigen Therapien?

Zwar hat die Medizin inzwischen eine Vielzahl verschiedener Therapieansätze gegen chronische Rückenschmerzen entwickelt – die Spanne reicht von Medikamenten über Massagen, Akupunktur oder Krankengymnastik bis zu Kombinationen mit Verhaltenstherapien. Oft wirken solche Behandlungen aber nicht ausreichend oder nur kurzfristig. „Studien zeigen, dass viele dieser konservativen Therapien die Symptome kurzzeitig lindern“, berichten Daniel Belavý von der Hochschule Bochum und seine Kollegen.

Doch ob die gängigen Therapien auch langfristig Linderung schaffen, ist bislang unklar. Deshalb haben Belavý und sein Team in einer Metaanalyse nun 551 weltweit veröffentlichte Studien mit zusammen mehr als 71.000 Teilnehmenden ausgewertet. Diese hatten die Wirkung verschiedener Therapien gegen chronische Rückenschmerzen untersucht. Unter den getesteten Therapieformen waren manuelle Therapien, Krankengymnastik und Bewegungstraining, Akupunktur, verschiedene Formen der Elektrotherapie sowie medikamentöse Behandlungen, aber auch psychotherapeutische Therapien und multimodale Kombinationstherapien.

Wirkung nur kurzfristig

Die Auswertungen ergaben: Viele gängige Therapien gegen chronische Rückenschmerzen wirken – sie können Schmerzen in Rücken und Beinen lindern und die Beweglichkeit und das Lebensgefühl der Betroffenen verbessern. Doch diese Wirkung hält nicht lange an: „Die gängigen Therapien gegen chronische Rückenschmerzen wirkten nur kurzfristig, meist nur bis zum Ende der Behandlungszeit“, berichten die Forschenden. Nach maximal zehn bis zwölf Wochen kehrten die Schmerzen oft wieder zurück.

„Keine einzige Therapiemethode brachte den Betroffenen mittel- oder langfristig klinisch relevante Vorteile“, schreiben Belavý und sein Team. „Betrachtet man Zeiträume von einem Jahr oder länger, scheinen Therapien nicht wirksamer zu sein als keine Behandlung.“ Bei den meisten Patienten waren die Schmerzen im Rücken, die Ischiasbeschwerden und andere Symptome nach dieser Zeit wieder genauso präsent wie zu Beginn der Studien.

Tabletteneinnahme

Schmerzmittel können die Rückenschmerzen häufig lindern, aber auch sie helfen meist nicht langfristig. — © Tassii/ iStock

Kein signifikanter Unterschied zwischen den Therapieformen

Und noch etwas zeigte die Metastudie: „Kein Therapieansatz war effektiver als andere“, berichten die Mediziner. Demnach war es fast egal, ob die Rückenschmerz-Patienten Akupunktur, Krankengymnastik, eine multimodale Schmerztherapie, gar keine Behandlung oder ein Placebo erhalten hatten – keine Variante zeigte eine längerfristige Wirkung. „Wir müssen weg von der Vorstellung, dass eine einzelne Behandlung das Problem löst“, sagt Belavý.

Auch ob eine Rückenschmerz-Therapie die aktive Mitarbeit der Betroffenen erforderte, wie bei einer Bewegungstherapie, oder rein passive Maßnahmen wie Massagen oder Akupunktur umfasste, machte keinen Unterschied. Was jedoch variierte, war die individuelle Qualität der Behandler. Sie bestimmte mit, wie sehr Patienten von der jeweiligen Therapie profitierten. „Dies spiegelt auch die Realität im Klinikalltag wider. Behandlungen variieren in der Praxis - und auch der Nutzen, den Patienten mit Rückenschmerzen daraus ziehen,“ so die Forschenden.

Was tun?

Insgesamt bestätigen diese Resultate die leidvollen Erfahrungen vieler Menschen mit chronischen Rückenschmerzen: Therapien lindern die Beschwerden meist nur eine gewisse Zeit. Nach Ansicht von Belavý und seinen Kollegen unterstreicht dies, dass neue Ansätze gegen das Volksleiden nötig sind. „Rückenschmerzen haben meist nicht nur eine Ursache, sondern mehrere“, so Belavý. Das müsse bei der Behandlung stärker berücksichtigt werden.

„Wir wissen aus anderer Forschung, dass nur etwa ein Drittel des Behandlungserfolgs auf die eigentliche Behandlung selbst zurückzuführen ist. Aus diesem Grund brauchen wir Ansätze, die Patienten mit anhaltenden Rückenschmerzen dabei helfen, sich selbst zu helfen – zum Beispiel durch Gesundheitscoaching“, erklärt der Forscher. Solche Strategien umfassen unter anderem Selbstmanagement, Lebensstil- und Verhaltensänderungen sowie eine kontinuierliche Begleitung statt kurzfristiger Therapiezyklen. „Erste Ergebnisse dazu sind vielversprechend, aber es braucht noch mehr Forschung.“

Quelle: Daniel Belavý (Hochschule Bochum) et al., BMJ Medicine, 2026; doi: 10.1136/bmjmed-2025-001908

AkupunkturKrankengymnastikMassageRückenschmerzenSchmerzmittelSchmerztherapie
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