Die Beleuchtung von Straßen, Gebäuden und Industrieanlagen hellt nicht nur die Umgebung, sondern auch den Nachthimmel auf. Dadurch sehen rund 80 Prozent der Weltbevölkerung keinen richtig dunklen Nachthimmel mehr und selbst in entlegenen Gebieten werden die Nächte heller. In den letzten Jahren hat die nächtliche Himmelshelligkeit weltweit zugenommen, wie Messungen mit Satelliten zeigen. Diese Aufhellung der Nächte behindert nicht nur die astronomische Himmelsbeobachtung, sie stört auch die innere Uhr von Mensch und Tier. So belegen Studien, dass Zugvögel durch hell beleuchtete Areale von ihrem Kurs abkommen können. Bei Korallen kommt das normalerweise vom Mondlicht synchronisierte Massenlaichen durch Kunstlicht aus dem Takt. Bei uns Menschen kann nächtliches Licht den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus stören und langfristig der Gesundheit schaden.
Entsprechend wichtig ist es, das Ausmaß der Lichtverschmutzung im Blick zu behalten. Bisher geschah dies durch Satelliten, die in wöchentlichem oder monatlichem Turnus die nächtliche Helligkeit verschiedener Regionen messen. Für die Auswertung der Lichtverschmutzung werden dann meist Daten mehrerer Satelliten und Zeiten zusammengefasst. Diese Erhebungen konnten jedoch kurzfristige Veränderungen nicht erfassen. Das hat sich jetzt geändert. Ein Team um Tian Li von der University of Connecticut hat jetzt erstmals die nächtliche Beleuchtung hochaufgelöst und in täglicher Zeitauflösung kartiert. „Zum ersten Mal wurden zu diesem Zweck tägliche Satellitenbilder auf globaler Ebene verwendet“, sagt Co-Autor Christopher Kyba von der Ruhr-Universität Bochum. Konkret nutzten die Forschenden den NASA-Datensatz der „Black Marble“ von 2014 bis 2022, der auf Messdaten eines standardisierten Infrarotsensors auf drei verschiedenen Satelliten beruht. Zusammen erfassen diese jede Nacht zwischen ein und vier Uhr örtlicher Zeit die Erdoberfläche im Bereich zwischen 70 Grad Nord und 60 Grad Süd. Jedes Pixel deckt dabei rund 0,5 Quadratkilometer ab.
China wird heller, Europa dunkler
Die Auswertungen ergaben, dass die nächtliche Lichtverschmutzung von 2014 bis 2022 um global rund 16 Prozent zugenommen hat. „Doch das bedeutet nicht, dass es überall zu einer Aufhellung kommt“, betont Kyba. Stattdessen hat die nächtliche Beleuchtung in einigen Regionen zugenommen, insgesamt um 34 Prozent, in anderen verringerte sich das Nachtlicht dagegen, insgesamt um 18 Prozent. „Der Gesamtwert kaschiert demnach eine weit verbreitete Koexistenz von Aufhellung und Abdunklung“, schreiben Li und seine Kollegen. Ihren Analysen zufolge haben sich in den vergangenen Jahren die Veränderungen in beide Richtungen intensiviert: „Die globale Nachtlandschaft wird dynamischer und volatiler“, so das Team.





