Etwa ein Drittel unseres Lebens verbringen wir im Schlaf. In dieser Zeit ist unser aktives Bewusstsein ausgeschaltet. Wir haben nicht mehr die Kontrolle über das, was geschieht und das Gehirn geht seiner eigenen Wege. Während der Körper ruht, tut sich in unserm Denkorgan jedoch einiges. Das Gehirn schwemmt Abfallstoffe aus, stutzt Synapsen zurecht, damit sie am Tag wieder auf neue Reize und Erfahrungen reagieren können, und es sortiert unsere Gedächtnisinhalte. Studien belegen, dass der Schlaf für das Lernen sogar essenziell ist. Damit das Gehirn in dieser Zeit nicht gestört wird, nehmen wir während des Schlafs nur noch eingeschränkt Reize der Außenwelt wahr. Nur Alarmsignale wie der Wecker oder ein Schrei dringen durch. Doch bislang ist nur in Teilen geklärt, wie diese selektive Unterdrückung der Außenreize funktioniert. Gibt es einen Filter, der einen Großteil der akustischen Signale gar nicht erst in die übergeordneten Regionen der Großhirnrinde geschickt? Oder werden alle eintreffenden Signale trotz der scheinbaren Unterdrückung dennoch ausgewertet und verarbeitet?
Sprache im Schlaftest
Dies haben nun Matthieu Koroma von der Sorbonne Universität in Paris und seine Kollegen in einem Experiment näher untersucht. Im Fokus ihres Interesses stand dabei der REM-Schlaf (REM = Rapid Eye Movement). In dieser auch als Traumschlaf bezeichneten Schlafphase sind unsere Muskeln vollständig gelähmt, nur die Augen bewegen sich phasenweise schnell hinter den Lidern. Studien deuten darauf hin, dass diese Bewegungen eng mit dem Träumen verknüpft sind: Ähnlich wie im Wachzustand folgen die Augen den geträumten Bildern und Ereignissen. Um herauszufinden, ob und wie stark unser Gehirn im REM-Schlaf auf akustische Reize reagiert, baten die Forscher 18 übermüdete Probanden zum morgendlichen Nickerchen. Während der Einschlafphase und des gesamten Schlafs gab es jedoch eine spezielle Geräuschkulisse: Die Teilnehmer hörten auf einem Ohr eine Stimme, die von verschiedenen Dingen erzählte. Das andere Ohr wurde dagegen mit sinnloser Pseudosprache beschallt.
Ob und wie diese Sprachreize vom Gehirn verarbeitet wurden, verfolgten die Wissenschaftler mithilfe eines Elektroenzephalogramms (EEG), das die Hirnströme der Teilnehmer aufzeichnete. Ein spezieller Algorithmus war zuvor darauf trainiert worden, die spezifischen Hirnsignale bei der Verarbeitung der Pseudo-Sprache und der echten akustischen Informationen zu erkennen und zu unterscheiden. Die EEG-Aufzeichnungen enthüllten, dass beim Einschlafen und im leichten Schlaf beide Signale weiter vom Gehirn registriert und verarbeitet werden. Wie in der Wachphase verstärkte das Gehirn dabei aber selektiv die sinnvolle und damit potenziell relevante echte Sprache und dämpfte das unsinnige Plappern der Pseudosprache eher ab. Diese selektive Reaktion auf akustische Reize blieb auch in Teilen des REM-Schlafs erhalten.





