Zitternde Hände, eine gebückte Körperhaltung und ein verlangsamter Gang sind allgemein bekannte Alterserscheinungen. Doch womöglich handelt es sich gar nicht um normale Begleiterscheinungen des Alterungsprozesses, legt nun eine Studie eines US-Forscherteams nahe: Es könnten schwache Formen von Parkinsonsymptomen oder zumindest parkinsonähnlichen Symptomen sein, hervorgerufen durch nur unter dem Mikroskop sichtbare Verstopfungen kleiner Blutgefäße im Gehirn, die winzige Schlaganfälle auslösen.
Parkinson ist eine langsam fortschreitende Krankheit des Nervensystems, bei der es zu verlangsamten Bewegungen, Muskelstarre, Haltungsinstabilität und dem bekannten Muskelzittern kommt. Sie tritt in ihrem vollen Ausmaß nur bei etwa fünf Prozent der älteren Bevölkerung auf. Hingegen sind bei mindestens der Hälfte der Menschen ab 85 Jahren abgeschwächte Symptome dieser Krankheit auf zu finden: zitternde Hände, langsamere Bewegungen, Probleme beim Gehen und eingeschränkte geistige Fähigkeiten. Diese Erscheinungen werden im Allgemeinen als typische Begleiterscheinungen des Alterns erachtet. Allerdings wurde bereits in Studien gezeigt werden, dass die abgeschwächten Parkinsonsymptome anscheinend im Zusammenhang mit Erkrankungen der Blutgefäße im Gehirn stehen.
Dem Forscherteam vom Rush University Medical Center in Chicago ist es nun erstmals gelungen, diese Erkrankungen der Blutgefäße näher zu identifizieren. Dazu nutzten sie Daten der ?Religious Order Study?, einer im Jahr 1994 begonnen Studie, in der jährlich 1.100 Nonnen, Mönche und Priester untersucht werden, um die Ursachen verschiedener Alterssymptome besser zu verstehen. Die Wissenschaftler verwendeten im aktuellen Studienteil einen Test, der auch für die Beurteilung der Ausprägung einer Parkinson-Erkrankung eingesetzt wird und bei dem Gleichgewichtstörungen, die Fähigkeit zu einer aufrechten Körperhaltung, Gehgeschwindigkeit, die Fähigkeit, sich auf einen Stuhl zu setzten und wieder aufzustehen, sich während des Gehens umdrehen zu können und das Ausmaß eventuell vorhandenen Schwindelgefühlen untersucht werden. Diese Untersuchungen ergänzten die Forscher mit Aufnahmen des Gehirns.
Nach dem Tod der Teilnehmer unterzogen die Wissenschaftler die Gehirne zusätzlich noch einer Autopsie. Dabei stellten sie fest, dass 30 Prozent der Gehirne mikroskopische Verletzungen und winzige Schlaganfallherde aufwiesen, was zuvor durch die heutigen bildgebenden Verfahren nicht sichtbar gemacht werden konnte. Bei zwei Drittel der Teilnehmer fanden die Forscher durch Einlagerungen verengte Blutgefäße im Gehirn, die sowohl zu den winzigen nicht sichtbaren, als auch zu sichtbaren Schlaganfällen führen können.
Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass ein beträchtlicher Teil der älteren Bevölkerung eine Schädigung des Gehirngewebes und Erkrankungen insbesondere kleiner Blutgefäße aufweist, schlussfolgern die Forscher. Diese Merkmale stehen ihrer Ansicht nach in Zusammenhang mit den abgeschwächten Parkinsonsymptomen. ?Oft werden die milden Symptome als Teil des Alterns erachtet. Wir sollten das nicht als normales Altern akzeptieren?, sagt Aron Buchman, Hauptautor der Studie.
Doch das kann zu einer Herausforderung für die öffentliche Gesundheit werden, da die aktuellen Technologien nicht ausreichen, um diese mikroskopisch kleinen Erkrankungen und Schlaganfälle sichtbar zu machen.
Daher ist es notwendig, weitere Studien durchzuführen, um bessere und gezieltere Methoden zu entwickeln, die sowohl die mikroskopischen Schlaganfälle als auch die Gefäßerkrankungen sichtbar machen.
Auch seien weitergehende Studien nötig, um abzuklären, ob nicht noch weitere Faktoren oder Veränderungen im Gehirngewebe bei der Entstehung der abgeschwächten Parkinsonsymptome eine Rolle spielen.
Aron Buchman (Rush University Medical Center, Chicago) et al.: Journal of the American Heart Association, doi: 10.1161/STROKEAHA.111.623462 wissenschaft.de – Tabea Osthues





