Die 3b fliegt natürlich nicht in einem Raumschiff durch den Weltraum. Wir sitzen in einem mobilen Planetarium, und was uns hier umgibt, ist eine Echtzeitsimulation des Sternenhimmels, so wie er an diesem Abend wirklich aussehen würde. Doch wir können auch vor- und zurückspulen, uns also nicht nur durch den Raum, sondern auch durch die Zeit bewegen. Haben die Kinder erst verstanden, was das bedeutet – was meist deutlich schneller geht als bei den Erwachsenen –, platzen auch schon unzählige Fragen aus ihnen heraus: Woher weiß man, wie viele Sterne es genau gibt? Wie würde der Himmel nächstes Jahr aussehen, wie vor 1000 Jahren? Warum sind die Sterne runde Kugeln, wenn sie doch nur aus Gas bestehen? Und wie kann die Sonne überhaupt brennen, wenn es keine Luft im Weltraum gibt?
Oft wird von der Notwendigkeit gesprochen, jungen Menschen Neugierde und Begeisterung für die Wissenschaft zu vermitteln. Dabei ist das eigentlich gar nicht nötig: Denn Neugier und Begeisterung sind ihnen quasi schon in die Wiege gelegt. Wer hat nicht schon mal vor den bohrenden Fragen eines 4-Jährigen kapitulieren müssen mit: „Weil das einfach so ist!“
Man muss die übersprudelnde Neugierde der Kinder nur in die richtigen Bahnen lenken. Aber welche sind das? Sollte man ihren Fragen aus dem Weg gehen? Sie so kompliziert beantworten, dass die Kinder die Lust verlieren? Oder die Bahn gleich mit einer traditionell österreichischen Antwort als Sackgasse enden lassen: „Frag nicht so deppert!“
Auch wenn manche Fragen blöd klingen, fast noch wichtiger als die richtige Antwort ist etwas anderes: Es geht bei Wissenschaft um eine Methode, nicht um einen Grund oder eine Wahrheit. Es geht um das „Wie?“ statt um das „Warum?“. Wie muss ich meine Frage stellen, damit sie überhaupt beantwortbar ist? Wie findet man überhaupt etwas heraus, beziehungsweise was muss ich tun, um einer Antwort näher zu kommen?
Dass die Wissenschaft nicht die Weisheit mit dem Löffel gefressen hat, sondern eben eine Methode und damit ein Prozess ist, kann gar nicht oft genug betont werden. Denn nur so können wir verstehen, warum sich Wissen wandelt, warum sich Fakten mitunter verändern, wie die vermeintlichen Fixsterne am Nachthimmel. Wenn ein österreichischer Innenminister sagt, Wissenschaft sei das eine, aber Fakten das andere, dann kann man das lustig finden. Oder völlig daneben. Aber dann ist man ein Teil des Problems, wo man vorgibt, eines der Lösung zu sein.
In vielen Fällen ist Wissenschaftsskepsis keine Frage mangelnden Wissens, sondern mangelnder Identifikation. Wissenschaftsfeindlichkeit ist vor allem ein soziologisches Problem. Die Bildungswissenschaftlerin Louise Archer hat dafür das Konzept des „science capital“ entwickelt. Es baut auf dem soziologischen Konzept des kulturellen Kapitals von Paul Bourdieu auf und beschreibt, wie sich die soziale Herkunft auf die Entwicklung von jungen Menschen auswirkt. Es geht um eine Art kultureller Ausgangssituation, um Gewohnheiten und Selbstverständlichkeiten, die weitergegeben werden und eine soziokulturelle Zugehörigkeit verursachen. Also etwa darum, dass man nicht so geschwollen daherschreiben sollte wie ich gerade, und Menschen damit abschreckt, sondern Dinge möglichst einfach auf den Punkt bringt.





