Heute gibt es sie nur noch in Afrika und in Südostasien – doch einst stapfte auch ein Vertreter der Nashörner durch die Kaltsteppen des Nordens, wie aus zahlreichen Fossilienfunden bekannt ist: Das Wollnashorn (Coelodonta antiquitatis) war etwa so groß wie das afrikanische Breitmaulnashorn und hatte sich an das Leben in den kalten Weiten gut angepasst. Gewärmt von einem zotteligen Fell fraß es das Gras in den Kaltsteppen, das es wahrscheinlich mithilfe seines besonders langen Hornes auch von Schnee befreien konnte. Aus Fossilienfunden geht hervor, dass dieser Vertreter der eiszeitlichen Megafauna über eine lange Zeitspanne des Pleistozäns hinweg im nördlichen Eurasien weit verbreitet war.
Ab vor etwa 35.000 Jahren zeichnet sich dann aber ein schleichender Rückgang der Bestände ab. Am Ende der Ära verlieren sich dann die fossilen Spuren der Wollnashörner. Aus Untersuchungen von Umwelt-DNA aus Bodenablagerungen geht allerdings hervor, dass Restbestände noch bis vor rund 10.000 Jahren existiert haben.
Was den Niedergang bis zum Aussterben verursacht haben könnte, gilt bisher als unklar. Eine wichtige Rolle haben sicherlich die klimatischen Veränderungen in der Ära gespielt. Doch auffällig ist, dass die Art bereits zuvor Phasen mit schwierigen Umweltbedingungen überstanden hat und sich anschließend erholen konnte. Ähnlich wie beim Aussterben der Mammuts richtet sich deshalb ein Verdacht auf den Menschen. Aus verschiedenen Hinweisen geht hervor, dass unsere eiszeitlichen Vorfahren Wollnashörner jagten. Als die Tiere durch die Klimaveränderungen bereits unter Druck standen, könnte dieser Faktor schließlich entscheidend gewesen sein.
Dem Schicksal der Wollnashörner auf der Spur
Diese Vermutung untermauert nun die aktuelle Rekonstruktion der Populationsgeschichte der Wollnashörner in den vergangenen 52.000 Jahren. Die Forschenden um Damien Fordham von der University of Adelaide haben dazu umfangreiche Informationen über die Tiere und ihre einstigen Lebensräume zusammengetragen, die aus der Forschung der letzten Jahre stammen. Es handelt sich dabei um fossile Nachweise und Umwelt-DNA von Wollnashörnern, in denen sich die Entwicklung ihres Verbreitungsgebietes widerspiegelt. Paläoklimatische Untersuchungen lieferten zudem Hinweise auf die Umweltbedingungen in den verschiedenen Regionen und unterschiedlichen Zeiten. Außerdem flossen Informationen über die Verbreitung des Menschen im Verlauf des Untersuchungszeitrahmens ein. Auf der Grundlage der gesammelten Daten entwickelte das Team dann Computermodelle, in denen sich die zeitlich-räumlichen Entwicklungen und Einflussgrößen der Populationsgeschichte der Wollnashörner widerspiegelten.
Wie die Forschenden berichten, zeichnete sich in den Ergebnissen der Simulationsmodelle tatsächlich ein Muster des Niedergangs und Aussterbens ab. Grundsätzlich führten demnach die klimatischen Veränderungen gegen Ende des Pleistozäns zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen in vielen Bereichen des einstigen Verbreitungsgebiets der Wollnashörner. Dies führte zu einem Rückzug ihrer Verbreitung im nördlichen Eurasien in südöstlicher Richtung. Wie die Forschenden betonen, erschien die Intensität dieses Prozesses aber nur plausibel, wenn der Faktor des Jagddrucks durch den Menschen in die Modelle einfloss. Zwar waren die Auswirkungen des Menschen demnach wohl zweitrangig gegenüber den klimatischen Faktoren. Letztlich könnten sie ihnen zufolge aber dennoch ausschlaggebend für das Aussterben gewesen sein.





